Save Yarmouk! Wir stehen täglich in Kontakt mit unseren PartnerInnen und AktivistInnen in Yarmouk und Süddamaskus – und werden in den nächsten Tagen weiter über aktuelle Entwicklungen berichten.

Im Norden hält die Assad-Armee die Checkpoints geschlossen, von Süden dringen die ISIS-Terrormilizen vor: Im vornehmlich von PalänstinenserInnen bewohnten Stadtteil Yarmouk (in deutschen Medien auch Jarmuk geschrieben) im südlichen Damaskus, spitzt sich die Lage dramatisch zu. Wir sind erleichtert, dass es einer Gruppe ziviler Medien- und MenschenrechtsaktivistInnen, engen Partnern von Adopt a Revolution, gelungen ist, das Stadtviertel erst einmal zu verlassen – obwohl sie auf den Fahndungslisten von sowohl Assad-Regime als auch der ISIS-Dschihadisten stehen. Sie sind der akuten Gefahr in Yarmouk entkommen, in Sicherheit sind sie jedoch längst nicht, denn auch der Stadtteil, in den sie flüchten konnten, wird vom Assad-Regime belagert und droht von den ISIS-Milizen übernommen zu werden. Die AktivistInnen sind in einer lebensgefährlichen Sackgasse gefangen, doch wir freuen uns, dass sie der konkreten Gefahr entgangen sind.

yarmouk_assad-isisDerweil droht der Vorstoß der Dschihadisten einen symbolischen Ort zu zerstören. Das ehemalige palästinensische Flüchtlingslager steht exemplarisch für die PalästinenserInnen in Syrien und es ist der zentralste Stadtteil von Damaskus, der in den letzten Jahren von der Oppositionsbewegung gehalten wurde. Über zwei Jahre lang vom Assad-Regime mit Straßensperren, an denen scharf geschossen wird, von der Außenwelt abgeriegelt, haben AktivistInnen das Leben selbst organisiert: Lebensmittelanbau in Stadtgärten, Organisation von Schulunterricht, zivile Konfliktlösung, Menschenrechtsarbeit, um den Ärmsten, die sich nicht einmal die Flucht leisten konnten, zu unterstützen. Aufgrund der Belagerung waren in den letzten beiden Jahren über 100 Menschen in dem Stadtteil buchstäblich verhungert.

Jetzt rücken im nur sechs Kilometer vom Präsidentenpalast gelegenen Stadtteil die Dschihadisten vor. Die ersten, die sie verfolgen und hinrichten, sind zivile AktivistInnen, die sich gegen den religiösen Fanatismus stellen. Im Norden kontrolliert das Assad-Regime die Zugänge zum Camp und zeigt sich wenig besorgt, dass die Dschihadisten vorrücken: Der Beschuss mit Mörsergranaten und Fassbomben erfolgt in Yarmouk nur dort, wo bewaffnete palästinensische Gruppierungen den ISIS-Terrormilizen noch Widerstand leisten. Das Kalkül, sich mit den Dschihadisten arrangieren zu können, zeigt das Regime auch dadurch, dass die Übergänge ins Stadtzentrum für die Zivilbevölkerung geschlossen bleiben. So müssen sich diejenigen, die sich vor den Kämpfen in Sicherheit bringen wollen, dem ISIS-Terrordiktat unterwerfen.

yarmoukYarmouk war dabei schon immer einer der bedeutendsten politischen Orte in Syrien – zunächst weil hier insbesondere die PalästinenserInnen für ihr Rückkehrrecht nach Palästina stritten. Seit dem syrischen Aufstand 2011 wurde das ehemalige palästinensische Flüchtlingslager aber auch zu einem Ort, an dem die Menschen massenweise gegen die Diktatur des Assad-Regimes auf die Straßen gingen und sich für ein selbstbestimmtes Leben einsetzen. Hier fanden Flüchtlinge aus Homs Unterschlupf und trotz der Belagerung des Regimes bildeten sich in den letzten Jahren so starke zivilgesellschaftliche Strukturen, wie an kaum einem anderen Ort in Syrien. Es scheint dem Assad-Regime nun durch das Zulassen des dschihadistischen Terrors zu gelingen, diesen symbolischen Widerstandsort der PalästinenserInnen zerstören zu können.

Wir trauern um den Ort Yarmouk und die vielen Opfer des Widerstands dort – etwa den Aktivisten Firas Naji. Gleichzeitig sind wir froh und erleichtert, dass vielen AktivistInnen die Flucht gelungen ist. Wir wollen ihnen eine neue Perspektive schaffen, weiter für ihre Rechte einstehen zu können. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung!

Unterzeichnen Sie den Aufruf syrischer AktivistInnen für ein Ende der Fassbomben!

Aufruf unterzeichnen!

…und helfen Sie uns mit Ihrer Spende, die AktivistInnen finanziell zu unterstützen!

Zivile AktivistInnen stärken!

Danke für Ihren Beitrag!