Hungerblockaden und Waffenstillstände - Vier Jahre Belagerung in Moadamieh

„Kniet nieder oder hungert.“ Dieses Grafitti hatten Assad-Soldaten bereits vor drei Jahren an ihren Kontrollstellen rund um das belagerte Moadamieh geschrieben. Noch immer lebt knapp die Hälfte von ursprünglich 100.000 EinwohnerInnen in der Stadt in den westlichen Außenbezirken von Damaskus. Im August 2013 war sie Ziel des Giftgas-Einsatzes – und bereits seit vier Jahren wird die Stadt belagert. In den letzten Tagen verhandelten die BewohnerInnen der Stadt mit dem Assad-Regime. Der Bericht des Aktivisten Kinan Rahmani über die Gespräche verrät viel über Belagerungen, lokale Waffenstillstände und die Strategie des Assad-Regimes. Lesen Sie den Bericht vom 6. Januar 2016!

Heute wurden die Gespräche zwischen Assad-Regime und einem Komitee aus Moadamieh, einer belagerten Vorstadt von Damaskus abgeschlossen. Nach einem langen Treffen, in dem das Komitee aus Moadamieh versuchte, ein Ende der Belagerung zu erreichen, antwortete das Assad-Regime: „Ergebt euch, oder ihr werdet vernichtet.“ Das Regime betonte, dass es die Belagerung vollständig durchsetzen würde und diese Position nicht verhandelbar wäre. Im Endeffekt schickt das 45.000 ZivilistInnen, die noch immer in der Stadt leben, in die Verdammnis.

Es wird viel von „lokalen Waffenstillständen“ gesprochen. Die UN feiern diese Waffenstillstände – und ignorieren dabei, dass solche Vereinbarungen eigentlich einseitige Niederlagen darstellen, die Monaten der Belagerung und des Bombardements folgen – und gegen die das Assad-Regime regelmäßig verstößt.

moadamiehDie BewohnerInnen von Moadamieh hatten vor zwei Jahren, im Januar 2014, bereits einmal einem solchen Waffenstillstand zugestimmt, nachdem die monatelange, vollständige Belagerung zu weitverbreiteter Mangelernährung geführt hatte. Die Stadt stimmte einem Waffenstillstand zu, das Regime konnte seine Fahne in der Stadt wieder hissen und seine Soldaten konnten in Moadamieh patrouillieren, ohne dass sie angegriffen wurden. Das Regime hat regelmäßig gegen die Abmachungen des Waffenstillstands verstoßen, indem es Häuser stürmte und verwüstete, AktivistInnen festnahm und zivile Gegenden bombardierte. Doch jetzt will das Regime die Stadt ein zweites Mal bestrafen und hat die Belagerung wieder eingesetzt.

Heute sagt das Regime zu uns: „Ergebt euch oder ihr werdet vernichtet.“ Morgen wird es zu den UN gehen und berichten: „Wir haben in Moadamieh mit einem Waffenstillstand den Frieden wieder hergestellt.“

Adopt a Revolution unterstützt die junge Zivilgesellschaft in Syrien, die sich gleichsam gegen Assad-Diktatur und dschihadistischen Terror einsetzt. In belagerten Städten dokumentieren ihre AktivistInnen die Verletzung von Menschenrechten. Helfen Sie mit, unterstützen Sie die Arbeit von Medien- und Menschenrechteskomitees in Syrien mit Ihrer Spende!

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