Veranstaltungstipp:  #SudanUprising und Syrische Revolution - Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Lessons Learnt

Seit Dezember protestieren im Sudan Tausende gegen die Diktatur Omar al-Bashirs. Vor allem SyrerInnen sehen sich an die Anfänge der syrischen Revolution erinnert. Am 15. März – dem Jahrestag der syrischen Revolution – diskutieren sudanesische und syrische AktivistInnen in Berlin über Unterschiede, Gemeinsamkeiten und transnationale Solidarität.

Die seit Wochen andauernden Proteste im Sudan sind den internationalen Medien meist nur Randnotizen wert – von vielen syrischen AktivstInnen werden sie dagegen mit großer Sympathie wahrgenommen. Auf einer Podiumsdiskussion in Berlin treffen sich am 15.03.2019 sudanesische und syrische AktivistInnen zu einem Erfahrungsaustausch. InteressentInnen sind herzlich willkommen:

15. März 2019, 20:00
Aquarium Südblock,
Skalitzer Str. 6, 10999 Berlin

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Das rege Interesse von SyrerInnen und Syern am #SudanUprising liegt nicht nur an einer abstrakt ähnlichen Ausgangslage. So reiste Omar al-Bashir Mitte Dezember zu Bashar al Assad nach Damaskus – ein offenbar von Russland eingefädelter PR-Gipfel. „Syrien: Immer mehr Länder streben Normalisierung der Beziehungen an“, titelte RT über den Besuch des wegen Völkermord gesuchten Omar al-Bashir bei Assad.

Es verwundert nicht, dass Omar al-Bashir ähnliche Strategien wie das Assad-Regime wählt, um die Proteste niederzuschlagen: Er stellt die Proteste gegen Armut und seine korrupte Diktatur als Werk ausländischer Agenten hin, lässt auf Demonstrierende schießen und dann Krankenhäuser stürmen, um Verletzte – und auch Ärztinnen und Ärzte – einsperren zu lassen.

Erst vor Kurzem verkündete Bashir einen einjährigen Ausnahmezustand – zugleich kündigte er allerdings an, anders als geplant 2020 nicht wieder bei den „Wahlen“ anzutreten – ein Versprechen, dem die Protestierenden jedoch nicht trauen: Sie fordern den sofortigen Rücktritt des Diktators, gegen den seit zehn Jahren ein internationaler Haftbefehl wegen Völkermords vorliegt ist – der allerdings nicht vollstreckt werden kann, weil es Staaten gibt, die Baschir vor Strafverfolgung schützen.

Zum Beispiel Russland, das Omar al-Bashir Mitte Dezember eben nicht nach Den Haag, sondern nach Damaskus zum Tee mit Assad flog. Offenbar will Russland den strauchelnden Omar al-Bashir aber nicht nur nutzen, um Assad in der arabischen Welt zu rehabilitieren, sondern auch, um den Sudan als Stützpunkt zu gewinnen: Die russische Regierung hat mit al-Bashir vereinbart, sudanesische Häfen nutzen zu können und vielleicht auch eine Militärbasis dort aufzubauen. Offenbar sind auch russische Söldner der Wagner-Gruppe im Sudan gesehen worden. Bleibt zu hoffen, dass die Unterstützung Russlands für Bashir nicht so weit geht, wie die für Assad.

Auch wenn sich die Diktaturen beider Staaten in vieler Hinsicht ähneln gibt es Unterschiede zwischen beiden Revolten. Die Augenscheinlichste: Während der arabische Frühling im Allgemeinen und die syrische Revolution 2011 im Besonderen immerhin Anfangs noch ein wenig Sympathie westlicher Beobachter oder zumindest deren Aufmerksamkeit erhielt, interessiert sich kaum jemand für die AktivistInnen im Sudan.

Ein wahrscheinlicher Grund: Viele Menschen haben angesichts der Beispiele Syrien, Libyen und Ägypten die Hoffnung verloren, dass auf den Aufstand gegen eine Diktatur bessere Verhältnisse folgen, und weil sie nicht selbst betroffen sind, sehen sie dann lieber weg – sehr zur Freude der Diktatoren. Und dazu kommt wohl noch eine gute Priese Rassismus, der SudanesInnen vermutlich noch härter trifft als Menschen aus dem arabischen Raum.

Was Hoffnung macht, ist dass immerhin syrische AktivistInnen Solidarität mit #SudanUprising zeigen – wie dieses Grafitti aus Idlib demonstriert:

Frei übersetzt: „Eine Nachricht syrischer Revolutionäre aus der Stadt Ariha in Idlib, 22.01.2019: Freiheit, Würde, Gerechtigkeit! Ob Syrien oder Sudan, die Bevölkerung will die Revolution!“