Diese Woche brachte eine ganze Reihe spannender Artikel, die Einblicke in die verschiedenen Aspekte des Syrienkonfliktes geben. Über die Haltung der syrischen Privatwirtschaft schreibt der umfassend informierte Jihad Yazigi auf dem Blog des Europäischen Rats für Auswärtige Angelegenheiten (auf Englisch): Sanktionen und die Zerstörung von Hab und Gut haben viele Geschäftsleute zur Aufgabe ihrer Tätigkeit sowie zur Ausreise gebracht. Viele werden nicht wiederkommen, vermutet Jazigi. Syriens Wirtschaft sei nun eine Kriegswirtschaft, in der Plünderung, Entführung und Schmuggel in zunehmendem Maße zur Tagesordnung gehören; neue Handelsnetze entstehen und Reichtümer auf Kosten von Hunger und Leid der anderen angehäuft werden.

Einen selten-einsichtigen und nuancierten Artikel über die Lage der syrischen Christen veröffentlichte die FAZ (leider unter einem sektiererischen,  irreführenden Titel, der sicher nicht vom Autor Fawwaz Haddad stammt). Haddad beschreibt die vielschichtigen Positionen verschiedener christlicher Akteure in Syrien, ohne Problematiken wie Diskriminierung und Hass zu leugnen. Haddad schafft es zu vermitteln, dass Christen genauso Syrer sind, wie alle anderen – denn in Syrien hat jeder eine religiöse Identität, die ihm/ihr eine soziale Position aufzwingt, ob gewollt oder nicht.

Mehrere Artikel berichteten aus dem riesigen Flüchtlingslager Zaatari, im Norden Jordaniens, wo sich Flüchtlinge und humanitäre HelferInnen auf den Winter vorbereiten. Eine interessante Perspektive gibt ein Bericht auf Yahoo News über Zaatari’s komplizierte Energieversorgung. So nehmen die Flüchtlinge die Stromversorgung selbst in die Hand, in dem sie die von der UNHCR gebauten Straßenlaternen mit dünnen Drähten anzapfen und den Strom in die Zelte verlegen (auf Englisch).

Während Hunger (SPIEGEL) und Kinderlähmung (FR) in Syrien um sich greifen, haben sowohl Bulgarien als auch die Türkei damit begonnen, Mauern gegen die Schutz suchenden syrischen Flüchtlingsströme zu bauen. Bulgarien soll verhindern, dass Syrer über die grüne Grenze in die EU gelangen. In der Türkei protestierten tausende von Menschen gegen die Mauer und wurden mit Tränengas beschossen, dies berichtete  Die Welt. Die türkische Regierung bietet syrischen Flüchtlingen andererseits weiterhin viel Hilfe, so werden laut dem Tagesspiegel Hilfsbedürftige umsonst in staatlichen Krankenhäusern behandelt. Die ersten der 5000 Syrer, die Deutschland über das UN Flüchtlingswerk UNHCR aufnehmen will, sind gerade angekommen (Tagesspiegel).

Die allgemeine Berichterstattung beschäftigte sich zumeist mit der angelaufenen Zerstörung (SPIEGEL) von Syriens Chemiewaffen, sowie den anhaltenden Kämpfen. Das Assad-Regime hat eine Liste seiner Kampfstoffe aufgeführt, an deren Wahrhaftigkeit die USA zweifelt (SPIEGEL bzw. ZEIT). Hoffnungen, dass es bald eine weitere Friedenskonferenz in Genf geben könnte, blieben angesichts anhaltender Kämpfe (N24) zwischen Rebellen und syrischer Armee unwahrscheinlich (Stimme Russlands).

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