Ein Cartoon des syrischen Künstlers Kamiran Shamdin verspottet Genf II. Das Schild weist den Weg nach Genf II, die Handpuppen folgen, rechts die Opposition, links das Regime. Quelle: Facebookseite des Künstlers/Syria Untold.

Ein Cartoon des syrischen Künstlers Kamiran Shamdin verspottet Genf II. Das Schild weist den Weg nach Genf II, die Handpuppen folgen, rechts die Opposition, links das Regime. Quelle: Facebookseite des Künstlers.

Seit dem Beginn des Aufstandes gegen das syrische Regime nutzten SyrerInnen den Humor als Ventil, um ihren Frust gegen den internationalen Diskurs abzulassen. So fallen auch die Reaktionen zur Syrien-Konferenz Genf II aus: Die SyrerInnen verspotten die Heuchelei der geopolitischen Interessen und den mangelnden Einsatz dafür, eine Lösung zu finden, die den Bemühungen der syrischen Bevölkerung entspricht.

Wie man an den zahlreichen Nachrichten, Fotos, Videos und Karikaturen sehen kann, ist Skepsis das grundlegende Gefühl, mit dem man in Syrien der Konferenz begegnet. Die Tatsache, dass das Assad-Regime trotz seiner Menschenrechtsverbrechen an der Initiative teilnehmen würde, ist der Hauptpunkt dieser Kritik.

Auf der neuen Facebook-Seite „Geneva II Wedding“, die sich selbst als „ein Forum zum Verspotten der Genf II-Konferenz“ bezeichnet, werden viele kreative Ausdrücke dieser Kritik geteilt. Als Titelbild der Seite ist ein bunter Bus mit der Überschrift „Genf II“ auf einem schwarzen Hintergrund zu sehen. [Diese bunten Busse sind in Syrien häufig im Straßenbild anzutreffen.]

Eine der meist geteilten Karikaturen zeigt 16 rote Stühle um einen runden Tisch, der wie ein Wasserablauf aussieht. Eine andere Zeichnung verspottet Lakhdar Brahimi, den Sondergesandten der Arabischen Liga und der Vereinten Nation für Syrien: Er ist grün gefärbt und ruft zur Teilnahme an Genf II, die Hände voll mit 100-Dollar-Scheinen. [Diese Karikatur spielt auf Brahimis Vornamen an, der wörtlich übersetzt „der Grüne“ bedeutet.]

Genf II, verkörpert als Abfluss. Unbekannter Autor. Quelle: Facebookseite "Geneva II Wedding".

Genf II, verkörpert als Abfluss. Unbekannter Autor. Quelle: Facebookseite „Geneva II Wedding“.

Andere Facebook-Seiten, die die weit verbreitete Ablehnung der Konferenz zeigen, sind die „Geneva II Rejected“ und die „National Union Against Geneva II“, um nur einige von vielen zu nennen.

Die Stadt Kafranbel, die zu einem Symbol der Kreativität im Angesicht der Diktatur wurde, hat auch eine Ansage zu Genf II: In einem Video, dass vom Kafranbel Media Center herausgegeben wurde, sind die Besucher der Konferenz als mit Blut bedeckte Schlachter dargestellt. Das Video endet mit der Botschaft: „Assads Hände sind befleckt mit syrischem Blut. Wenn du bereit bist, seine blutige Hand zu schütteln, warum existiert dann Den Haag überhaupt?“


Genf II, ein in Blut getränkter Dialog. Quelle: Kafranbel Media Center.

Es gibt auch Parodie-Gedichte und -Lieder zu Genf II, wie z.B. das des Musikers Abdulwahab Mulla, der vor kurzem in Aleppo von bewaffneten Gruppierungen verhaftet wurde: „Hop, hop, dieser Bus fährt nach Genf. In ihm viel Lärm und Spektakel, er ist voll von Meistern, deren Auftrag es ist, Urteile zu fällen; sie tragen schicke Anzüge, Krawatten und ihre brandneuen „Eid“-T-Shirts.“ [Zum Eid, also dem Opferfest, schenken und kaufen sich die Menschen in Syrien traditionell neue Sachen.]

"Genf II" des syrischen Künstlers Jawad. Quelle: Facebookseite des Künstlers.

„Genf II“ des syrischen Künstlers Jawad. Quelle: Facebookseite des Künstlers.

„Genf II, leere Worte“ ist der Titel eines Bildes, das von dem syrischen Künstler entworfen wurde, der unter dem Namen „Jawad“ bekannt ist. Das Bild stellt eine Sprechblase dar, die aus einem Gewehr herauskommt. Im Hintergrund ist eine zerstörte Umgebung mit eingestürzten Häusern zu sehen, das die Situation des Landes darstellt. In einem Gespräch mit „Syria Untold“ sagte der Künstler: „Genf II bedeutet, den SyrerInnen mitten ins Gesicht zu lachen. Natürlich wollen wir eine politische Lösung, aber nicht durch diese inhaltslose Konferenz mit ihren leeren Worten. Es ist zu spät für leere Worte.“

In einer anderen Karikatur hebt der syrische Karikaturist Husam al-Saadi die Gleichgültigkeit hervor, mit der politische und diplomatische Figuren dem Schmerz der syrischen Mütter begegnen.

"Genf II" des Künstlers Husam al-Saadi. Quelle: Facebookseite des Künstlers.

„Genf II“ des Künstlers Husam al-Saadi. Quelle: Facebookseite des Künstlers.

„Die internationale Gemeinschaft ist schuld an dem in Syrien vergossenem Blut. Wenn ihnen die Massaker an den unbewaffneten DemonstrantInnen nicht egal gewesen wären, dann wären wir gar nicht in die Lage gekommen, in der wir jetzt sind,“ so al-Saadi zu „Syria Untold“. „All diese Verhandlungen und Gespräche rund um Syrien tun nichts anderes, als den Kriminellen mehr Zeit zu geben und die Qualen der Bevölkerung zu verlängern.“

Dieser Beitrag erschien auf Englisch am 28. November 2013 auf der Website Syria Untold. Die deutsche Übersetzung wurde von einem Aktivisten von Adopt a Revolution erstellt.