INHALT

Vorwort
Zusammenfassung

01 Einleitung
02 Restriktionen gegen die Zivilgesellschaft
03 Strategien des gewaltfreien Widerstands Gege Hai’at Tahrir al-Sham
04 „Good Governance“ als widerständige Praxis
05 Die Rolle des zivilen gewaltfreien Widerstands im Kontext der direkten Konfrontation
06 Fazit: Konsequenzen für internationale Akteure

Über den Autor & Danksagung

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Vorwort

Seit 2013 fielen zahlreiche syrische Städte unter die Kontrolle radikalislamistischer Gruppen wie der Nusra-Front und dem „Islamischen Staat (IS)“. Manchen Städten aber gelang es, die Expansionsversuche dschihadistischer Gruppen erfolgreich abzuwehren. Und dafür waren allem Anschein nach nicht nur militärische Faktoren entscheidend: In Atareb und Maarat al-Nu’man etwa demonstrierten große Teile der Bevölkerung gegen die Übernahmeversuche dschihadistischer Milizen – die schließlich tatsächlich abziehen mussten. Doch warum kam es in diesen Städten zu Protesten der Zivilbevölkerung, während anderswo kaum Widerstand gegen dschihadistische Milizen sichtbar wurde? Welche Rolle kommt der Zivilgesellschaft bei der Abwehr radikalislamistischer Übernahmeversuche zu? Welche Rolle spielen zivile Verwaltungsstrukturen? Welche Bedingungen und welche Unterstützung brauchen zivile Akteure, um sich vor Ort gegen fundamentalistische Milizen zur Wehr zu setzen?

Die vorliegende Studie des syrischen Autors Haid Haid versteht sich nicht als letztgültige Antwort auf diese Fragen, sondern als eine Ersterkundung, die eine dringend benötigte neue Perspektive zu eröffnen sucht. Denn insbesondere im Hinblick auf den Nahen Osten und den „War on Terror“ bleiben Analysen und Debatten hierzulande oft bedrückend oberflächlich. Nicht selten wird suggeriert, die Bevölkerung bestehe aus ethnisch oder konfessionell definierten monolithischen Blöcken wie „den Kurden“, „den Arabern“, „den Sunniten“ und nicht aus politisch denkenden und handelnden Individuen. So wird die Rolle lokaler ziviler und zivilgesellschaftlicher Akteure oft vernachlässigt – meist zugunsten ausschweifender geopolitischer Exkurse.

Im Gegensatz dazu wagt die vorliegende Studie die absolute Nahaufnahme: Sie lässt das „große Ganze“ außen vor und fokussiert lokalpolitische Auseinandersetzungen. Das zwingt zur Differenzierung. Sie zeigt, dass die militärische Dominanz einer Miliz in einem Gebiet nicht heißt, dass die Miliz dieses Gebiet auch politisch kontrolliert. Oder führt vor Augen, dass, so befremdlich dies für manche auch klingen mag, Terrororganisation nicht gleich Terrororganisation ist. So teilt die Miliz Hai’at Tahrir al-Sham (HTS), um die es in dieser Studie vorrangig geht, mit dem sogenannten „Islamischen Staat“ etwa eine schwarze Flagge, die mörderische dschihadistische Ideologie und ihre bei al-Qaida liegenden Wurzeln. Doch in vieler Hinsicht unterscheiden sie sich – insbesondere hinsichtlich ihrer Strategien der Machtergreifung und ihrem Umgang mit der Zivilbevölkerung. Diese feinen Unterschiede bringen nicht nur mehr Komplexität, sondern neue Strategien gegen den dschihadistischen Terror ins Bild.

Die Analyse des syrischen Autors Haid Haid zeigt: Wenn nur der politische Wille bestände, könnten gewaltfreie Strategien der Konflikttransformationen die Expansion der extremistischen Miliz zumindest eindämmen. So viel vorweg: Der syrischen Zivilgesellschaft fällt dabei eine bedeutende Rolle zu.

Ihr Adopt-a-Revolution-Team


Zusammenfassung



01 Einleitung

Seit Beginn 2017 hat Hai’at Tahrir al-Sham (HTS) seine Macht in der Provinz Idlib sowie im Norden Aleppos erheblich ausgeweitet. Die Niederlage von Ahrar al-Sham im Juli 2017, eine Rebellengruppe salafistischer Prägung von ehemals großer Bedeutung, hat HTS zur de facto stärksten militärischen Fraktion werden lassen, die nahezu konkurrenzlos diesen Teil Syriens kontrolliert. Den militärischen Erfolgen zum Trotz scheint HTS jedoch Schwierigkeiten damit zu haben, in den von ihr kontrollierten Gebieten die Unterstützung der Bevölkerung zu gewinnen. Unter anderem in Maarat al-Nu’man, Atareb und Saraqib protestierten große Teile der Bevölkerung gegen die Angriffe der Miliz und demonstrierten ihren Unwillen, sich der Autorität der Gruppe zu unterwerfen.

Dabei kam es vereinzelt zu gewalttätigen Übergriffen, bei denen ZivilistInnen von Mitgliedern der Miliz angeschossen und in einigen Fällen sogar getötet wurden. Generell schreckt HTS jedoch davor zurück, öffentlich Gewalt anzuwenden [1], denn zu groß ist die Sorge davor, dass es der Gruppe sonst ähnlich wie dem sogenannten „Islamischen Staat“ (IS) 2014 ergehen könnte. Dessen öffentlich zur Schau gestellte Gewalt provozierte den wütenden Widerstand der lokalen Bevölkerung, der schließlich im bewaffneten Widerstand gipfelte, sodass der IS letztlich aus Idlib und nennenswerten Teilen Aleppos vertrieben wurde. [2] Zur Ausweitung seines Herrschaftsgebiets setzt HTS deshalb anstatt auf offene Gewalt vermehrt darauf, die Kontrolle über zivile Institutionen zu erlangen. Mit diesem Ziel rief die Miliz die „Zivile Verwaltung für öffentliche Dienstleistungen“ ins Leben, die als ihr ziviler Arm fungiert und die Verwaltung in den von ihr kontrollierten Gebieten übernimmt. [3] Sie überwacht oder ersetzt die lokalen Räte und zivilgesellschaftliche Organisationen. [4]

Um dieser neu geschaffenen zivilen Vorfeldorganisation Legitimität zu verleihen, versuchte HTS vor Ort bekannte Persönlichkeiten, Religionsgelehrte und Meinungsführer zur Mitarbeit in der neuen Zivilverwaltung zu gewinnen. Jedoch verweigerten die meisten diese aufgrund der gewalttätigen Praktiken von HTS und ideologischer Differenzen. Einige von ihnen waren bereits zuvor für ihre Opposition gegenüber HTS bekannt gewesen. Andere jedoch zeigten nun erst ihren Dissens mit der Miliz. Sie wollten verhindern, dass ihre Ort- schaften zur Zielscheibe brutaler militärischer Anti-Terror-Kampagnen werden, bei denen sowohl der Tod von ZivilistInnen als auch die Zerstörung der Infrastruktur wenig Beachtung finden, wie es beispielsweise in Raqqa der Fall war. [5]

Zivilgesellschaftlicher Widerstand scheint angesichts mangelnder militärischer Optionen als die bestmögliche Alternative. Er setzt einerseits darauf, die Selbstorganisation der lokalen Bevölkerung zu stärken, unterbindet aber auch bestehende Kooperationsmuster, macht HTS Ressourcen streitig und unterminiert den Einfluss und die Legitimität der Miliz. Die lokale Bevölkerung hat entscheidenden Ein uss darauf, ob eine Miliz wie HTS vor Ort erstarken kann oder nicht.

Diese Studie soll einen Beitrag leisten zum besseren Verständnis der Rolle der syrischen Zivilgesellschaft in der Organisation von Widerstand gegen extremistische Gruppen wie HTS. Deshalb werden die Restriktionen beleuchtet, unter denen zivilgesellschaftliche Gruppen und AktivistInnen in Gebieten arbeiten, in denen HTS Kontrolle ausübt oder eine starke Präsenz hat. Ebenso werden die Taktiken des friedlichen und des bewaffneten Widerstandes analysiert.

Grundlage der Studie sind semistrukturierte Interviews mit zehn zivilgesellschaftlichen AktivistInnen in Syrien. Diese Interviews wurden vom Autor online über Skype oder WhatsApp zwischen Juli und Oktober 2017 geführt. Sie fokussieren verschiedene Gebiete in Nordsyrien, in denen HTS versucht, hegemoniale Kraft zu werden, und die lokale Bevölkerung und AktivistInnen noch immer Widerstand gegen die Gruppe leisten: Atareb, Kafranbel, Maarat al-Nu’man und Saraqib. Die GesprächspartnerInnen wurden auf Grundlage von Empfehlungen durch etablierte syrische AktivistInnen und zivilgesellschaftliche Gruppen ausgesucht. Die Identität der Interviewten muss aus Sicherheitsgründen geheim bleiben. Die Studie reklamiert keinesfalls, einen vollständigen Überblick über die Widerstandshandlungen syrischer AktivistInnen gegen HTS zu geben. Im Gegenteil: Sie versteht sich als eine erste Untersuchung, auf die weiterführende Studien folgen sollten.

[1] Auch wenn die Miliz Gewalt weniger öffentlich und systematisch als der „IS“ einsetzt, schreckt sie nicht vor Drohungen, Einschüchterungen, Verhaftungen und Folter als Mittel der Kontrolle zurück.
[2] Haid Haid, “Local Community Resistance to Extremist Groups in Syria: Lessons from Atareb”, Chatham House, Juni 2017.
[3] Die örtlichen Verwaltungsräte wurden von lokalen Akteuren in Oppositionsgebieten als Ersatz für die bis dahin bestehenden Lokalverwaltungen des syrischen Regimes geschaffen. Diese lokalen Räte sind somit für alle Dienstleistungen für die lokale Bevölkerung verantwortlich.
[4] In dieser Studie wird der Begriff „Zivilgesellschaft“ im weiteren Sinne verwendet und umfasst somit auch AktivistInnen, lokale Bewegungen, Initiativen und Hilfsorganisationen, als auch lokale Verwaltungsorgane, die zivil und im öffentlichen Interesse handeln.
[5] Interview des Autors am 20.07.2017 über Skype mit dem Aktivisten Mosaab, örtlicher Koordinator einer Gruppe, die im Bereich der Konfliktbearbeitung tätig ist.


02 Restriktionen gegen die Zivilgesellschaft

Die Risiken und Herausforderungen, mit denen syrische Organisationen in Rebellengebieten konfrontiert sind, hängen von den dominierenden Milizen ab. Daher müssen jene Regionen, die vollständig von HTS kontrolliert werden, unterschieden werden von solchen, in denen die Gruppe zwar präsent ist, jedoch nicht stärkste militärische Kraft.

„Wir teilen die Gegenden üblicherweise in drei Kategorien ein: Die erste, in der HTS die volle Kontrolle hat und somit das Risiko sehr groß ist. In diesen Gegenden begrenzen wir uns auf Untergrundaktivitäten oder wir arbeiten dort überhaupt nicht. In die zweite Kategorie fallen Orte, wo HTS eine begrenzte Kontrolle ausübt, aber nicht die dominante Kraft ist. Unsere Aktivitäten zielen dort darauf, die Ortsansässigen zu mobilisieren, sodass sie sich HTS aktiv widersetzen. Die dritte Kategorie umfasst Orte, in denen HTS eine geringe oder gar keine Präsenz hat – dort konzentrieren wir uns darauf, lokale Widerstandsfähigkeit gegen HTS aufzubauen.“ [6]

Restriktionen gegen humanitäre Hilfsorganisationen

Doch die hohe Dynamik des syrischen Konflikts und die damit einhergehende ständige Verschiebung der Einflussgebiete machen es unmöglich, diesen theoretischen Kategorien spezifische Territorien zuzuordnen. Die Zahl der Gebiete, die unter militärischer Kontrolle von HTS stehen, hat sich seit Anfang 2017 signifikant erhöht, insbesondere in der Provinz Idlib, wo die Miliz mehrere Rebellengruppen besiegen und verdrängen konnte, während sie andere dazu zwang, sich ihr anzuschließen. Aber im Gegensatz zum IS, der die von ihm gehaltenen Territorien im Alleingang zu regieren versucht, scheint HTS flexibler gegenüber humanitären Organisationen zu sein, die im von der Miliz dominierten Territorium grundlegende Hilfsdienste leisten. So entgeht die Gruppe dem Druck, diese Hilfsleistungen selbst erbringen zu müssen, kann sie sich aber dennoch als eigenen Verdienst anrechnen lassen.

„Organisationen, die humanitäre und medizinische Hilfe anbieten, sind in HTS-kontrollierten Gebieten in der Regel willkommen, weil sie so die Miliz entlasten – denn HTS verfügt gar nicht über die dafür erforderlichen Ressourcen. Das bedeutet aber nicht, dass solche Organisationen deshalb HTS helfen oder gar bewerben. Vielmehr wissen sie, dass die Menschen leiden würden, wenn die Hilfe aufgrund der HTS-Präsenz beendet würde.“ [7]

Dennoch unterliegt die Arbeit in solchen Gebieten unvermeidlichen Zwängen. Eine Vielzahl von Quellen berichtet von einem Besteuerungssystem (atawat), dem Hilfsorganisationen in HTS-dominierten Gebieten unterworfen sind. [8]

„Es begann damit, dass einige Organisationen die Erlaubnis bestimmter bewaffneter Gruppen ersuchten, um die Sicherheit ihrer operativen Arbeit und ihrer MitarbeiterInnen zu garantieren. Diese Praxis haben einige Milizen mit der Zeit formalisiert und an Steuern geknüpft – so auch HTS. Die Gruppe hat sogar versucht, dies für alle Organisationen verpflichtend einzuführen. Aber sie sind nicht die einzigen, die das tun. Dazu gehören auch kurdische und regimeloyale Fraktionen.“ [9]

Die Art und Weise der „Steuereintreibung“ unterscheidet sich von Fall zu Fall. Am üblichsten scheint es, einen Teil der Hilfsgüter an HTS-Mitglieder und ihre Unterstützer zu verteilen. Mehrere Quellen haben auch darauf hingewiesen, dass HTS anscheinend nicht alle Organisationen gleichermaßen „besteuert“.

„Das ist meist abhängig davon, auf wie viel Widerstand die Gruppe trifft. In manchen Fällen stellen die Organisationen die Abgaben einfach in bar oder in Naturalien zur Verfügung, um sich vor Angriffen oder Schikanen zu schützen. Aber in anderen Fällen haben Organisationen die Zahlungen verweigert oder eine Erhöhung des HTS-Anteils abgelehnt und damit gedroht, ihre Arbeit einzustellen. So war HTS dazu gezwungen, entweder nachzugeben oder eine weitere Eskalation in Kauf zu nehmen.“ [10]

Hier folgt das Beispiel einer Organisation, die sich den Bedingungen der Miliz erfolgreich widersetzte und gegen sie mobilmachte. Aus Sicherheitsgründen muss die Organisation jedoch anonym bleiben. Die NGO wollte in Kooperation mit dem lokalen Rat einer Kleinstadt ein Hilfsprojekt in Nordsyrien umsetzen. HTS übte Druck auf die NGO aus: Sie sollte ihre Kooperation mit dem lokalen Rat beenden und stattdessen mit einer Organisation kooperieren, die HTS untergeordnet war. Die NGO drohte damit, das Projekt zu beenden und ihr Büro in der Stadt zu schließen. Sowohl die NGO als auch andere AktivistInnen und zivile Gruppen nutzten die Situation als Anlass, um die lokale Bevölkerung zu Protesten gegen HTS und zur Unterstützung für die NGO und ihre Arbeit zu mobilisieren. Aufgrund des Drucks und da HTS auf die von der Organisation erbrachten Leistungen angewiesen war, gab die Miliz schließlich nach. Die NGO und der lokale Rat konnten daraufhin mit ihrer Arbeit fortfahren.

Einige lokale zivilgesellschaftliche AktivistInnen zeigten sich daher enttäuscht davon, dass manche humanitären Organisationen nicht Position gegen HTS beziehen und die „Steuerabgabe“ nicht verweigern.

„Ich glaube, dass die Situation eine andere gewesen wäre, wenn alle humanitären NGOs sich kollektiv darauf geeinigt hätten, die verlangten Abgaben zu verweigern.“ [11]

Vor Ort agierende Organisationen halten das jedoch für leichter gesagt als getan.

„Zunächst einmal ist das Zahlen irgendeiner Art von Steuer in Konfliktgebieten eine allgemein übliche Praxis. Fast alle NGOs in Syrien tun das auf die eine oder andere Weise, inklusive der UN-Behörden, die vom Assad-Regime erpresst werden. Die Alternative dazu ist entweder in einer chaotischen und höchst gefährlichen Umgebung zu operieren, in der die Sicherheit der Mitarbeiter und der Hilfsleistungen nicht garantiert werden kann, oder alle Operationen einzustellen“ [12]

Einen einfachen Umgang mit solchen Situationen gibt es daher nicht. Ein erster Schritt wäre jedoch, eine Debatte unter allen in einer Region aktiven humanitären Akteuren anzustoßen, um mögliche Handlungsoptionen und deren kollektive Umsetzung zu durchdenken.

Bemerkenswert ist, dass diese Steuer nur von Organisationen verlangt wird, die Lebensmittel zur Verfügung stellen, während medizinische Hilfsorganisationen davon ausgenommen sind. Dennoch haben einige AktivistInnen betont, dass die Auflagen für die Arbeit humanitärer Organisationen von HTS generell verschärft worden sind. So müssen alle Hilfsorganisationen eine schriftliche Erlaubnis bei der Miliz beantragen, bevor sie mit ihrer Arbeit beginnen dürfen, und ihre Geldgeber und die Ziele ihrer Arbeit offenlegen. [13]

Nachdem sich die von Adopt a Revolution unterstützte Zeitung Souriatna („Unser Syrien“) mit Charlie Hebdo solidarisiert hatte, konfiszierte HTS (damals: Nusra-Front) deren Auflage und verbrannte sie öffentlich

Restriktionen gegen andere zivilgesellschaftliche Aktivitäten

Ganz anderen Schwierigkeiten stehen Organisationen gegenüber, die nicht-humanitäre Arbeit leisten: Bildung, Menschenrechtsarbeit oder die Mobilisierung der Bevölkerung etwa. Auch wenn HTS solchen Aktivitäten kritisch gegenübersteht, toleriert die Miliz einige von ihnen unter strengen Bedingungen. So stehen die Organisationen, die solche Aktivitäten durchführen, zwar unter genauester Beobachtung, benötigen aber zumindest in den Regionen, die HTS nicht vollständig kontrolliert, keine offizielle Registrierung. [14] Zu den auferlegten Restriktionen gehören Geschlechtersegregation sowie Bekleidungs- und Verhaltensregeln gemäß der Scharia, was das Verbot von Musik oder „verführenden Bildern“ miteinschließt. Und: Von der Arbeit darf keine Gefahr für die Interessen und den Einfluss der Miliz ausgehen. Beispielsweise überwacht HTS im Bildungsbereich mittels Informanten oder stichprobenartigen Inspektionen den Lehrplan, das Erscheinungsbild der Lehrkräfte und die Aktivitäten in den Klassen, um sicherzustellen, dass keine Regelverstöße vorliegen. Gruppen, die sich verbotenen Aktivitäten wie der Förderung von Geschlechtergleichheit, Demokratie und Menschenrechten verschrieben haben, tarnen ihre Aktivitäten üblicherweise. Workshops zur Frauenförderung werden etwa als Näh-, Strick- oder Erste-Hilfe- Kurse ausgegeben, um weniger Misstrauen zu erregen.

„Die Arbeit in Gegenden unter Kontrolle von HTS ist vergleichbar mit der Arbeit in Gegenden unter Kontrolle des Assad-Regimes. Es ist riskant, aber solange die nichts über deine Arbeit wissen, geht es. Daher ist strikte Geheimhaltung entscheidend, online wie offline. Ich gebe seit Jahren Fortbildungen zu Themen der politischen Bildung und der Menschenrechte. Die Zahl der Teilnehmerinnen ist sogar höher als die der Teilnehmer, obwohl HTS Geschlechtersegregation vorschreibt.“ [15]

Letztlich hängt die Arbeit jedoch natürlich davon ab, wie einflussreich HTS in einer Gegend tatsächlich ist und wie groß die lokale Unterstützung für die AktivistInnen. Solange grundsätzliche Sicherheitsvorkehrungen sorgfältig getroffen würden, sei Aktivismus jedoch noch immer möglich, so fast alle Interviewten.

In Gegenden, in denen HTS nur begrenzten Ein uss hat, ist die Arbeit von zivilgesellschaftlichen Gruppen generell einfacher. Einmischungen der Miliz sind hier eine Frage der örtlichen Machtverteilung. Wie viel Unterstützung hat HTS? Wie groß ist demgegenüber die Unterstützung für die zivilen AktivistInnen, für konkurrierende Rebellengruppen oder die örtliche Verwaltung? In der im Westen der Provinz Aleppo gelegenen Stadt Atareb hat HTS beispielsweise kaum Autorität – dort steht die Gruppe einer starken lokalen Gemeinde gegenüber, die stabile Beziehungen zu den zivilgesellschaftlichen Akteuren, den Regierenden und lokalen Rebellengruppen hat. Entsprechend können zivilgesellschaftliche Organisationen hier frei arbeiten und müssen sich nicht darum sorgen, wie HTS zu ihren Aktivitäten steht.

„Wir operieren nur in Atareb, wo wir weder unseren Hass auf HTS verstecken, noch die Aktivitäten, die wir durchführen, um Widerstand gegen die Gruppe zu leisten. Aber andere Gruppen, die beispielsweise in Sahara operieren [ein Dorf neben Atareb, in dem HTS mehr Einfluss hat] beteiligen sich sehr diskret an den Anti-HTS-Aktivitäten, wie beispielsweise durch die Unterstützung beim Aufbau einer Anti-HTS-Organisation.“ [16]

Es ist wichtig, dass die lokale Bevölkerung solche Aktivitäten unterstützt. Zudem müssen Formulierungen mit Bedacht gewählt werden. Kritik an der Scharia oder dem Islam werden von HTS selbst in Orten, die nicht vollständig von ihm kontrolliert werden, als Vorwand für Übergriffe auf lokale Organisationen genutzt. So stürmte HTS (damals noch unter dem Namen Jabhat al-Nusra) im Januar 2016 die Station von Radio Fresh FM, die von lokalen AktivistInnen in der Kleinstadt Kafranbel betrieben wurde. HTS konfiszierte elektronische Geräte, säuberte das Gebäude von aktivistischem Material und nahm Raed Fares, den Manager der Station, unter dem Vorwand des Verbreitens unmoralischer Programme fest. Diese hatten Musik enthalten und wurden von Frauen angesagt – all dies sei, so al-Nusra, haram. [17]

Dennoch wiesen einige AktivistInnen darauf hin, dass HTS im Gegensatz zum IS üblicherweise gegnerische AktivistInnen nicht ermordet.

„Wir fürchten HTS nicht so sehr wie den IS. HTS exekutiert keine AktivistInnen: HTS stürmt für gewöhnlich Zentren und Büroräume, konfisziert Equipment, verhaftet AktivistInnen – aber diese kommen dank des Drucks der Gemeinden in der Regel wieder frei.“ [18]

Andere AktivistInnen haben HTS in der Vergangenheit jedoch mehrfach auch die Entführung [19] und Ermordung [20] von AktivistInnen vorgeworfen.

[6] Interview des Autors am 18.07.2017 über Skype mit dem Aktivisten Mohammed, Koordinator von 24CR, eine zivile Widerstandsgruppe gegen Extremismus.
[7] Interview des Autors am 19.07.2017 über Skype mit dem Aktivisten Mustafa, ein freiberuflicher Trainer im Bereich der Friedensarbeit.
[8] Ayman al-Dassouky, ‘The Role of Jihadi Movements in Syrian Local Governance’, Omran Center, Juli 2017.
[9] Interview des Autors am 03.07.2017 über Skype mit dem Aktivisten Waleed, Gruppenleiter einer Initiative, die sich für die Stärkung lokaler Verwaltungsstrukturen engagiert.
[10] Interview des Autors am 20.07.2017 über Skype mit dem Aktivisten Mosaab, örtlicher Koordinator einer Gruppe, die im Bereich der Konfliktbearbeitung tätig ist.
[11] Interview des Autors am 04.10.2017 über Skype mit dem Aktivisten Ammar, ein Sozialarbeiter.
[12] Interview des Autors am 25.07.2017 über Skype mit Sami, dem Mitarbeiter einer humanitären Hilfsorganisation.
[13] Ebd.
[14] Interview des Autors am 07.07.2017 über Skype mit dem Medienaktivisten Ahmed.
[15] Interview des Autors am 19.07.2017 über Skype mit dem Aktivisten Mustafa, ein freiberuflicher Trainer im Bereich der Friedensarbeit.
[16] Interview des Autors am 03.10.2017 über Skype mit dem Aktivisten Ibrahim, Mitarbeiter einer humanitären Hilfsorganisation.
[17] Deutsche Welle Arabisch, „Bedeutender Aktivist von Nusra Front freigelassen“, 10.01.2016.
[18] Interview des Autors am 07.07.2017 über Skype mit dem Medienaktivisten Ahmed.
[19] Lyan al-Halabi, „Is al-Nusra Involved in the Kidnapping of Maher Karman in Aleppo?“, Enab Baladi. 29.11.2015.
20 Haid Haid, „Did Jabhat al-Nusra assassinate Syri-an activist Khaled al-Issa?”, Now Lebanon. 29.06.2016.


03 Strategien des gewaltfreien Widerstands gegen Hai’at Tahrir al-Sham

Aanti-HTS-Protest in Maarat al-Nu’man im Rahmen eines landesweiten Aktionstags: „Kein Platz für al-Qaida in Syrien“

Die meisten Taktiken gewaltfreien Widerstands der AktivistInnen gegen HTS wurden bereits gegen das syrische Regime und den IS angewendet. Nichtsdestotrotz sind deutliche Unterschiede festzustellen – sowohl hinsichtlich der Umsetzung der Taktiken als auch der darauffolgenden Reaktion von HTS:

„Die gewaltfreien Taktiken, die gegen HTS eingesetzt wurden, waren besser geplant und wurden häufiger eingesetzt als gegen den IS. Dies war möglich, weil HTS die AktivistInnen nicht direkt ins Visier nahm und die Bevölkerung nicht auf die gleiche Art terrorisierte, wie es der IS tat. Auch haben wir aus den Fehlern und Erfahrungen der Vergangenheit gelernt. Der Widerstand gegen Assad und den IS war sozusagen ein ‚Training on the Job‘, das uns auf die Konfrontation mit HTS vorbereitet hat und uns Werkzeuge an die Hand gegeben hat, um für unsere Sicherheit zu sorgen.“ [21]

Öffentlicher Protest als Mittel des Widerstandes

Die Organisation von Demonstrationen und öffentlichen Veranstaltungen scheint die populärste gewaltfreie Taktik gegen HTS zu sein. Auch wenn die Mehrzahl der Demonstrationen noch immer gegen das syrische Regime gerichtet ist, äußern die Demonstranten gleichzeitig ihre Unterstützung für die Freie Syrische Armee und halten die Bürgerrechte und Prinzipien der Revolution hoch. Da sich HTS klar gegen diese ausspricht, ist ein wichtiges Ziel dieser Proteste, der Miliz zu zeigen, dass sie die lokale Bevölkerung nicht kontrollieren kann. Ein weiteres Ziel ist es, sie zu provozieren und dazu zu verleiten, Fehler zu machen und gewalttätig zu werden. So singen und tanzen AktivistInnen während der Demonstrationen, was in der Ideologie von HTS verboten ist. Dennoch scheint sich HTS mehr an den Slogans und der Flagge der Revolution zu stören.

Ortsansässige berichten, dass es immer noch einfacher sei, unter HTS Demonstrationen zu organisieren als unter der Herrschaft Assads oder des IS – insbesondere in Orten, in denen HTS nicht die dominante Kraft ist.

„Wir nutzen üblicherweise jede Gelegenheit, um Demonstrationen zu organisieren. Manchmal feiern wir wichtige Tage oder Ereignisse wie den Jahrestag des Ausbruchs der Revolution. Aber wir versuchen auch Proteste gegen bestimmte von HTS begangene Gewaltakte zu initiieren – etwa, wenn sie erneut versuchen, ihr Ein ussgebiet zu vergrößern oder andere Gruppen angreifen.“ [22]

Proteste werden entweder durch kleinere Treffen von AktivistInnen oder in geschlossenen Nachrichtengruppen in sozialen Netzwerken oder Messenger-Diensten wie Whatsapp organisiert. In diesem Rahmen wird in der Regel der Anlass der Proteste bestimmt, es werden Slogans vorbereitet und – je nach Kapazitäten und Fähigkeiten der AktivistInnen – Aufgaben verteilt. Die Demonstrationen folgen in der Regel auf das Freitagsgebet, weil dann bereits viele Menschen auf der Straße sind und dies die Mobilisierung erleichtert.

Bemerkenswerterweise berichten viele AktivistInnen, dass HTS diese Demonstrationen nur selten attackiere oder aufzulösen versuche. Vor allem in Gebieten, die HTS nicht vollständig kontrolliert, finden sie in der Regel unbehelligt statt.

„HTS greift solche Demonstrationen üblicherweise nicht an, weil sie fürchten, Übergriffe könnten zur direkten Konfrontation mit der Bevölkerung führen. HTS ist klug genug zu wissen, dass jeder Kampf mit der lokalen Bevölkerung ein verlorener Kampf ist. Solche Aus- einandersetzungen können nicht militärisch gewonnen werden.“ [23]

Andere AktivistInnen glauben, dass HTS solche Proteste nicht angreife, weil sie keine ernsthafte Bedrohung für die Autorität und den Einfluss der Gruppe darstellten. Nichtsdestotrotz hat HTS gelegentlich Proteste angegriffen, weil die Revolutionsflagge gehisst oder weil Menschen gegen den Versuch der Miliz protestierten, ihre Stadt einzunehmen, wie dies etwa in Maarat al-Nu’man [24] und Saraqib [25] der Fall war.

Aktivisten verbreiten die Revolutionsflagge in ihrer Stadt. Das von Adopt a Revolution unterstützte Zentrum der Zivilgesellschaft in Atareb steht stets an vorderster Front, um den Widerstand gegen HTS zu organisieren

Visueller Widerstand: Der Kampf um den öffentlichen Raum

Der Machtkampf um die Vorherrschaft in den Städten drückt sich in einem regelrechten Bilderkampf im öffentlichen Raum aus, in dem die Dominanz von Logos und Slogans auch der territorialen Überlegenheit Ausdruck verleihen soll. Gruppen wie HTS oder der IS stoßen solche Bilderkämpfe los, indem sie ihre Logos, Flaggen, Namen und Slogans an allen öffentlichen Plätzen anbringen und jedes ihnen missfallende Symbol entfernen.

„Unterschätze niemals die Bedeutung von Symbolen. Sie strahlen Macht aus. Wenn du an einem Ort überall nur ein einziges Logo siehst, nimmst du unterbewusst an, dort habe jene Gruppe die Vorherrschaft. Diese Taktik zielt nicht nur auf die Menschen, die in der Gegend wohnen, sondern auch auf Passanten, die nur das wahrnehmen, was sie in den Straßen sehen können.“ [26]

AktivistInnen stellen sich diesem Bilderkrieg, indem sie Taktiken wie Graffiti anwenden. Dies ist eine beliebte Methode, da sie ein geringes Risiko birgt, billig und einfach anzuwenden ist und auch von einer einzigen Person ausgeübt werden kann. Manche der Aktivitäten zielen darauf ab, die visuelle Dominanz von HTS zu brechen – etwa indem AktivistInnen die Revolutionsflagge in der ganzen Stadt aufsprühen. Andere fordern die Ideologie von HTS heraus, indem sie Slogans sprühen, die Menschenrechte, demokratische Partizipation und die Gleichberechtigung der Geschlechter einfordern – etwa den Slogan „Bildung für ein Mädchen ist Bildung für die ganze Familie“. Manche Graffiti-Slogans sind auch aggressiver formuliert und richten sich direkt gegen HTS und seine Anführer. So taucht in Idlib immer wieder der Name des HTS- Anführers Abu Mohammed al-Jolani an Mülltonnen auf, um ihn zu beleidigen. [27] Andere schmähen die Gruppe [28] oder rufen zu ihrem Sturz auf. [29]

Die Wirksamkeit dieser Taktiken ist unter den AktivistInnen allerdings umstritten. Einige hoffen, der symbolische Widerstand könnte Menschen langfristig ermutigen, gegen HTS aufzubegehren. Andere sind der Ansicht, dass, selbst wenn die lokale Bevölkerung nicht so stark auf diese Taktik anspricht, HTS sich doch so sehr an den Graf ti stört, dass die Miliz sie stets schnellstmöglich entfernt. Das kontinuierliche Sprühen von Graffiti gegen HTS wird so zum Zeichen des zivilen Widerstands und sendet das Signal, dass sich die lokale Bevölkerung aktiv HTS widersetzt. [30]

Die Schwächung der Legitimität von HTS durch Satire

Satire ist ein weiteres wichtiges Werkzeug der AktivistInnen, um die Autorität von HTS zu untergraben. Humor erlaubt es ihnen, Zweifel zu säen und die Unterdrücker vorzuführen, und ist gleichzeitig mit weniger Gefahren verbunden als die vorhergehenden Taktiken. Viele AktivistInnen sind der Meinung, dass Angst die Menschen in die Unterwerfung treibe und Satire deshalb wichtig sei, um die Barriere der Angst zu durchbrechen. Die Kombi- nation von Humor und belegbaren Fakten über die Verlogenheit und Vergehen der Miliz unterminieren deren Glaubwürdigkeit.

„Humor ist eine mächtige Waffe. Radikale Gruppen und Diktatoren üben ihre Herrschaft durch Angst aus. Aber wir können die Barriere der Angst überwinden, indem wir uns über sie lustig machen. Das ist ein sehr einfaches Mittel – Menschen haben keine Angst vor etwas, über das sie sich lustig machen können.“ [31]

AktivistInnen ziehen hierzu auch Propagandavideos und Verlautbarungen von HTS heran und versehen sie mit sarkastischen Kommentaren. Häufige Mittel sind Karikaturen und Textbeiträge.

Die sozialen Medien, die eine schnelle Verbreitung von Informationen über geographische Barrieren hinweg ermöglichen, trugen dazu bei, dass HTS-kritische Satire größere Verbreitung fand – auch in Gegenden, in denen HTS seine brutale Form der Herrschaft ungehindert ausübt.

„Syrer lieben es, audiovisuelle Schnipsel [in den sozialen Netzwerken] zu teilen. Sie versenden oft bis zu zehn Bilder, um jemandem ‚Guten Morgen!‘ zu sagen. Das versuchen wir zu unserem Vorteil zu nutzen, indem wir audiovisuelle Satire erstellen, die Leute ansehen und teilen können.“ [32]

Schwächen des gewaltfreien, zivilen Ansatzes

Auch wenn die zivilgesellschaftlichen Gruppen ihrer Opposition gegen HTS mit vielfältigen Taktiken öffentlich Ausdruck verleihen, können die Taktiken nur begrenzt die territoriale Vorherrschaft von HTS herausfordern. Ein Großteil des Aktivismus geschieht gewöhnlich ad hoc ohne klare Strategie oder Etappenziele, die es ermöglichen könnten, Erfolge und Misserfolge zu evaluieren. Hinzu kommt, dass die meisten Gruppen, die im Widerstand gegen HTS aktiv sind, allein oder in sehr überschaubaren Bündnissen agieren. Sich mit anderen potenziellen Partnern zu verbünden und zu koordinieren, gelingt ihnen in der Regel nicht.

„Wenn eine Gruppe eine Kampagne startet, wird diese meist nur von den Mitgliedern dieser Gruppe getragen und verbreitet, ohne dass es irgendeinen sichtbaren Beitrag anderer Gruppen oder Organisationen gibt, die das Ziel der Kampagne teilen würden.“ [33]

Konkurrenz um finanzielle Unterstützung, persönliche Differenzen, Sicherheitsrisiken, weltanschauliche Differenzen, Mangel an Interesse, unterschiedliche Prioritäten – all das sind mögliche Ursachen für das Nichtzustandekommen einer einheitlichen Strategie gegen HTS. Den meisten Protestaktionen gelingt die Mobilisierung breiterer Bevölkerungsschichten oft nur, wenn es zu einem Vorfall kommt, der die Menschen auf die Straße gehen lässt.

Dieser Umstand ist jedoch nicht allein fehlenden klaren Strategien zur Mobilisierung geschuldet, sondern auch der verbreiteten Verzweiflung, dem Pessimismus, den Sicherheitsrisiken, dem Fehlen klarer und attraktiver Alternativen, der Priorisierung des Kampfes gegen das Assad-Regime, der fehlenden Partizipation von Frauen [34] und weiteren Faktoren, die hier nicht vollständig aufgelistet werden können.

[21] Interview des Autors am 19.07.2017 über Skype mit dem Aktivisten Mustafa, ein freiberuflicher Trainer im Bereich der Friedensarbeit.
[22] Interview des Autors am 18.07.2017 über Skype mit dem Aktivisten Mohammed, Koordinator von 24CR, eine zivile Widerstandsgruppe gegen Extremismus.
[23] Interview des Autors über Skype am 15.07.2017 mit Kareem, einem Trainer im Menschenrechtsbereich.
[24] Samir Al-Haj, „HTS schießt auf Demonstranten nach Erstürmung Maarat al-Nu‘mans“, ARA News, 09.06.2017.
[25] Syrian Observatory for Human Rights, „Die Kämpfe in Idlib dauern an und HTS versucht Bab al-Hawa zu erobern“, SOHR, 21.07.2017.
[26] Interview des Autors am 19.07.2017 über Skype mit dem Aktivisten Mustafa, ein freiberuflicher Trainer im Bereich der Friedensarbeit.
[27] Jabhat Alnusra Violations Documentation Team, „Die besten Namen für al-Jolani und Baschar al-Assad in Syrien“ auf Twitter, 28.08.2017.
[28] Jabhat Alnusra Violations Documentation Team, „Fuck HTS“ auf Twitter, 11.06.2017.
[29] Ali Hassan Satoof, „Down with HTS“ auf Twitter, 27.07.2017.
[30] Interview des Autors am 18.07.2017 über Skype mit dem Aktivisten Mohammed, Koordinator von 24CR, eine zivile Widerstandsgruppe gegen Extremismus.
[31] Interview des Autors am 10.07.2017 über Skype mit dem Aktivisten Fares, Koordinator einer Initiative zur Stärkung lokaler Institutionen.
[32] Interview des Autors am 18.07.2017 über Skype mit dem Aktivisten Mohammed, Koordinator von 24CR, eine zivile Widerstandsgruppe gegen Extremismus.
[33] Interview des Autors am 03.10.2017 über Skype mit dem Aktivisten Ibrahim, Mitarbeiter einer humanitären Hilfsorganisation.
[34] Dabei sind insbesondere Frauen maßgeblich an der Organisation von Straßenprotesten gegen die Miliz und Kampagnen gegen die von HTS praktizierte Rekrutierung von Kindersoldaten beteiligt. Hierzu mehr: Razan Ghazawi, Oula Ramadan und Afra Mohammad, „’Peacebuilding defines our future now’: A study of women’s peace activism in Syria“, Badael, 2015. Und: Badr Mohammed, „Frauen demonstrieren gegen HTS in Mastoumeh, Idlib”, Smart News, 07.03.2017.


04 „Good Governance“ als widerständige Praxis

In Saraqeb besetzen anti-HTS-Demonstranten im Sommer 2017 das lokale, von den Radikalen unterstützte, Scharia-Gericht.

Die territoriale Kontrolle des HTS beruht nicht allein auf militärischer Stärke. Die Gruppe setzt seit Jahren darauf, Sympathien in der Bevölkerung zu gewinnen. Um den eigenen Einfluss auszuweiten, kauft sie sich regelrecht in Gemeinden ein. Erst später folgt der Griff nach der politischen Macht. Aus diesem Grund stellt HTS öffentliche Dienstleistungen bereit, um vor Ort die Akzeptanz der lokalen Bevölkerung zu erlangen und neue Mitglieder zu rekrutieren. Zugleich schwächen sie so den Einfluss möglicher Konkurrenten und fördern die Verbreitung ihrer Ideologie. Wem von HTS organisierte öffentliche Dienstleistungen zugutekommen, der ist auch eher gewillt, den Zwang und
die Unfreiheit zu dulden, die mit den strikten Gesetzen der Gruppe einhergehen.

Da es HTS an Ressourcen mangelt, kann die Gruppe nur in begrenztem Maße die öffentlichen Dienstleistungen monopolisieren. Deshalb priorisiert sie Dienstleistungen, für die besonders hoher Bedarf besteht: Wasser, Strom und – in manchen Fällen – Brot. So maximiert HTS den aus seinen Investitionen resultierenden Nutzen. Denn diese Dienstleistungen sorgen nicht nur für ein gewisses Maß an Anerkennung seitens der Bevölkerung – sie zahlen sich auch aus, weil HTS Gebühren für seine Dienste erhebt. Dadurch wachsen die Ressourcen von HTS, sodass es die von ihm angebotenen Dienstleistungen diversifizieren und seine territoriale Kontrolle ausbauen kann.

Die Strategie des HTS zur Kontrolle lokaler Institutionen und Dienstleister

Außerdem setzt HTS zunehmend auf eine rigide Kontrolle lokaler Institutionen und Dienstleister. Dies betrifft etwa lokale Räte, Gerichte, die Polizei und Bäckereien. Dieses Vorgehen zielt darauf ab, HTS als den effektiveren Versorger erscheinen zu lassen, so mehr öffentliche Unterstützung zu generieren und letztlich die volle administrative Kontrolle über betroffene Gebiete herzustellen. Dabei inszeniert sich HTS nicht nur selbst als kompetentester Regent, sondern lenkt auch immer wieder Aufmerksamkeit auf die reale oder vermeintliche Schwäche und Ineffizienz der durch die von Einheimischen betriebenen lokalen Verwaltungsstrukturen. HTS versucht, diese Strukturen aufzulösen. Die Taktik, die die Gruppe diesbezüglich anwendet, lässt sich am besten als Zuckerbrot und Peitsche beschreiben – zuweilen führt diese Taktik zum Erfolg, in anderen Fällen aber auch zur gewalttätigen Eskalation. So stürmte HTS (damals noch unter dem Namen Fatah al-Sham) im Juli 2015 die Polizeistation von Kafranbel und nahm die Mitarbeiter unter dem Vorwurf der Korruption fest. [35] Die lokale Bevölkerung hielt dem entgegen, dass einzelne Beamte zwar durchaus korrupt seien, der eigentliche Grund für die Intervention des HTS jedoch offensichtlich damit zu tun habe, dass die Miliz erst zwei Monate zuvor eine eigene Polizeistation in der Stadt eröffnet hätte. Die Menschen hatten diese neue Polizeistation ignoriert. HTS nutzte die Korruptionsvorwürfe also, um die Konkurrenz auszuschalten. [36] Im Januar 2017 kam es zu einem ähnlichen Vorfall: HTS nahm den damaligen Vorsitzenden des örtlichen Rates von Sinjar in der Provinz Idlib fest. Dieser hatte sich geweigert, die offiziellen Stempel des Rats an den neuen, von HTS (damals Fatah al-Sham) eingesetzten Rat zu übergeben. [37]

Um die Übernahme lokaler Räte durch HTS abzuwehren, helfen ortsansässige zivilgesellschaftliche Organisationen und AktivistInnen dabei, die Effizienz und die Legitimität der lokalen Institutionen zu steigern. Die Verbesserung der Kommunikation zwischen den Räten und der lokalen Bevölkerung ist eine der am weitesten verbreiteten Maßnahmen. Meist werden regelmäßige öffentliche Versammlungen organisiert, bei denen Institutionen wie die Polizei oder die lokalen Räte Rechenschaft ablegen. So wird ein direkter Austausch mit der Bevölkerung darüber ermöglicht, wie ihre Dienstleistungen und die öffentliche Partizipation verbessert werden können.

„Das Ziel solcher Versammlungen ist es, die Lokalbevölkerung über die Arbeit und die Angebote der Verwaltung zu informieren, da viele Leute gar nicht wissen, wer da eigentlich was macht. Das hilft den Menschen auch zu verstehen, was die Prioritäten dieser Institutionen sind, und warum. Und natürlich macht es lokale Amtsträger ansprechbar, was für uns ein völlig neues Konzept ist, und es erlaubt der Bevölkerung, die lokale Politik direkter mitzubestimmen.“ [38]

Die Transparenzoffensive geht aber noch weiter: AktivistInnen unterstützen Institutionen dabei, ihre Tätigkeiten und Pläne in detaillierten Online-Veröffentlichungen darzulegen und lokale Wahlen abzuhalten, wie beispielsweise in Saraqib und anderen Orten. [39]

Hilfe zur Selbsthilfe für lokale Entscheidungsgremien und ihre Versorgung mit logistischer und technischer Unterstützung gehören ebenso zu den gängigen Ansätzen. Manche zivilgesellschaftlichen Organisationen stellen ihre Zentren und ihre Ausstattung zur Verfügung, organisieren Workshops und unterstützen Versammlungen logistisch, andere helfen diesen Gremi- en wiederum bei administrativen Aufgaben oder bei der Öffentlichkeitsarbeit.

„Good Governance“ schmälert die Chance der Dschihadisten. Das von Adopt a Revolution unterstützte Zivile Zentrum in Atareb betreibt mit dem Lokalen Rat eine Kampagne gegen Waffen im öffentlichen Raum

Nur starke und anerkannte lokale Institutionen können die Versuche des HTS, sie mit affiliierten Organisationen zu ersetzen, abwehren. Deswegen betrachtet HTS die lokalen Räte als schärfste Konkurrenten um die politische Kontrolle – unabhängig davon, wo diese Räte weltanschaulich zu verorten sind. Die Beziehung zwischen den Räten und HTS variiert jedoch je nach Umstand und Ort. Sie ist abhängig von den Ressourcen und der Popularität der lokalen Verwaltung, der Stärke der lokalen Zivilgesellschaft sowie der Bereitschaft anderer bewaffneter Gruppen, diese Institutionen zu beschützen. In einigen Gegenden versucht HTS, Einfluss auf die lokalen Räte auszuüben, indem die Gruppe dort benötigte Dienstleistungen bereitstellt und im Gegenzug von der lokalen Verwaltung Geld, logistische Unterstützung, mehr Kontrolle oder eine offizielle Repräsentanz im Rat einfordert. Diese Herangehensweise nutzt HTS in Gegenden, in denen ihr die lokale Bevölkerung feindselig oder abwehrend gegenübersteht. Als beispielsweise die örtliche Bäckerei in Atareb in finanzielle Schwierigkeiten geriet, bot HTS an, einzuspringen – im Gegenzug wollte die Miliz die Bäckerei übernehmen. [40] Es gelang lokalen AktivistInnen und zivilgesellschaftlichen Gruppen jedoch, dies zu verhindern, indem sie Spender fanden, die der Bäckerei unter die Arme griffen.

Infiltration der lokalen Räte

In anderen Fällen versuchte HTS die lokalen Räte mit eigenen Vertretern zu infiltrieren, um somit die Kontrolle über sie zu erlangen. Auch dies geschieht vor allem in Gegenden, in denen HTS nur begrenzten Einfluss hat oder dort, wo es ihm an Mitteln für zuvor beschriebene Vereinbarungen mangelt. Lokale AktivistInnen versuchen diese Bestrebungen ins Leere laufen zu lassen, indem sie die lokale Bevölkerung mobilisieren, um öffentlichen Druck auf den HTS-Kandidaten aufzubauen und so einen Rückzug zu erzwingen. Doch nicht immer ist die Strategie erfolgreich.

„Es ist nicht immer möglich, solche Versuche abzuwehren – insbesondere dann nicht, wenn HTS genug Einfluss hat, es zu erzwingen. Die Miliz setzt zu diesem Zweck alle verfügbaren Dienstleistungen und Ressourcen ein, um die Leute davon zu überzeugen, die Änderungen zu akzeptieren, oder argumentiert mit der Inkompetenz des bisherigen lokalen Rats.“ [41]

Kontrolliert HTS ein Gebiet militärisch vollständig, versucht die Gruppe lokale Räte gänzlich auszutauschen. In solchen Fällen versuchen lokale Organisationen die HTS-affiliierten Institutionen zu untergraben, indem sie auf deren Fehler und Inkompetenz aufmerksam machen. Dieser Ansatz ist aber wenig effektiv und meist langwierig, insbesondere da mit der Schaffung der HTS-eigenen Zivilverwaltung eine komplette alternative Struktur zu den lokalen Räten geschaffen wurde. [42]

Die Kontrolle lokaler Gerichte

HTS tritt auch mit den lokalen Gerichten in Konkurrenz. Durch eine eigene Justiz will die Gruppe ihre ultrakonservative Weltsicht durchsetzen und langfristig gesellschaftliche Normen prägen. Außerdem garantiert die Kontrolle der Gerichte die eigene Straflosigkeit – mit ihrer Hilfe rechtfertigt HTS unpopuläre Handlungen religiös. Die den lokalen Verwaltungen zugehörigen Gerichte stehen oft in dem Ruf, ineffizient zu sein und leiden darunter, dass ihre Urteile häufig nicht vollzogen werden. Die Scharia-Gerichte der HTS gehören dagegen zu den effektivsten Werkzeugen der Gruppe: Jedem Gericht ist eine ausführende bewaffnete Einheit unterstellt, welche für die Vollstreckung der Urteile sorgt. Folglich gelten die HTS-Gerichte im Vergleich zu ihren Konkurrenten als durchsetzungsstark.

„Das Problem sind nicht so sehr die Richter, sondern dass ihre Urteile nicht ausgeführt werden, was diese Gerichte für die Bevölkerung nicht sonderlich attraktiv macht. Die lokale Polizei ist entweder machtlos oder korrupt, was die Aufgabe zusätzlich erschwert.“ [43]

Die Existenz von starken lokalen Verwaltungsstrukturen hat jedoch bereits verhindern können, dass HTS Gerichte übernehmen und so ein Monopol auf das Justizwesen erlangen konnte.

„HTS sowie davor auch der IS haben seit Jahren versucht, unser örtliches Gericht in Atareb zu übernehmen. Aber die starke lokale Bevölkerung und die vereinten Anstrengungen aller lokalen Verwaltungsstrukturen haben verhindert, dass dies in unserer Stadt Erfolg hatte.“ [44]

Weiterer Bedarf an Stärkung lokaler Verwaltungsstrukturen

Um sich HTS gegenüber als handlungsfähig zu erweisen, benötigen die Verwaltungsstrukturen daher mittel- und langfristig die Unterstützung lokaler wie internationaler Akteure, etwa seitens der syrischen Übergangsregierung [45], seitens bewaffneter Kräfte oder lokaler wie internationaler Geldgeber.

Denn trotz der Erfolge lokaler ziviler Akteure, Übernahmeversuche von HTS abzuwehren, gelang dies nur teilweise. Die Stadt Saraqib zum Beispiel wurde direkt nach der Wahl des lokalen Rates durch HTS militärisch besetzt; die lokalen Kämpfer von Ahrar al-Sham waren schnell besiegt. Trotzdem demonstrierte die lokale Bevölkerung auf den Straßen gegen HTS und konnte sogar genug Druck aufbauen, um HTS zum Abzug zu zwingen. Daraufhin begann die Miliz, die Stadt zu belagern, indem sie im Umland Checkpoints errichtete. Durch Druck auf den lokalen Rat gelang es HTS, einige Dienstleistungen wie die Stromversorgung unter seine Kontrolle zu stellen. Trotzdem schaffte es der Rat, seine Unabhängigkeit in weiten Teilen zu bewahren. Entsprechend liegen unterschiedliche Bewertungen vor, inwiefern der lokale Rat unfähig war, HTS’ Einfluss abzuwehren, oder er sich als widerstandsfähig erwiesen hat.

Häufig fällt es den Organisationen schwer, mit den vielen unterschiedlichen Strategien des HTS Schritt zu halten. Selbst wenn es der Miliz nicht gelingt, eine von ihr begehrte Institution vollständig zu kontrollieren, versucht die Gruppe zumindest einige ihrer Funktionen zu kontrollieren. Zivile Organisationen haben Mühe, neue Wege zu nden, um dies zu verhindern. Erschwert wird dies durch die Tatsache, dass die Akteure, die sich HTS in den Weg stellen, aufgrund der starken territorialen Fragmentierung meist keine Kontakte zu anderen zivilen Organisationen haben, die anderenorts gegen den gemeinsamen Feind HTS vorgehen. So mangelt es den jeweils von HTS bedrohten Institutionen an gegenseitigem Erfahrungsaustausch und gegenseitiger Unterstützung. HTS wiederum visiert genau solche Gegenden an, in denen die Zivilgesellschaft schwach ist und die Gruppe wenig Widerstand erfährt.

Außerdem ignorieren syrische Organisationen häufig die Rolle, die Frauen bei der Unterstützung des Widerstands spielen können, was dazu führt, dass ihre öffentliche Präsenz gemäß traditionalistischer Geschlechterrollen auf wohltätige und medizinische Hilfsarbeit beschränkt bleibt. Nichtsdestotrotz haben Frauen durchaus am Kampf gegen radikale Gruppen wie HTS oder den IS teilgenommen, insbesondere indem sie die Rekrutierung von Kindern und Jugendlichen durch diese Gruppen verhindert haben. [46] Auch darüber hinaus leisten von Frauen gegründete Organisationen wichtige politische und humanitäre Arbeit. Jedoch sehen syrische Institutionen ihre Leistungen allzu oft nur als Ergänzung zur eigenen Arbeit, nicht als Teil davon. [47]

[35] HTS hat diese Strategie in der Vergangenheit systematisch angewandt, um rivalisierende Rebellengruppen wie z.B. „The Syrian Revolutionaries Front“ oder auch „Hazem movement“ auszuschalten.
[36] Interview des Autors am 25.07.2017 über Skype mit Sami, dem Mitarbeiter einer humanitären Hilfsorganisation.
[37] Omar Abdelfattah: „Festnahme des Leiters des Lokalen Rats durch Fatah al-Sham, da er sie nicht als legitime Kraft anerkennt“, 03.01.2017.
[38] Interview des Autors am 04.10.2017 über Skype mit dem Aktivisten Ammar, ein Sozialarbeiter.
[39] Manhal Bareesh, “Saraqib’s local elections show how democracy can break through in Syria”, Chatham House, August 2017.
[40] Interview des Autors am 04.10.2017 über Skype mit dem Aktivisten Ammar, ein Sozialarbeiter.
[41] Interview des Autors am 07.07.2017 über Skype mit Ahmed, einem Medienaktivisten.
[42] Ebd.
[43] Interview des Autors am 03.07.2017 über Skype mit Waleed, dem Leiter einer lokalen Initiative zur Unterstützung von Lokalverwaltungen.
[44] Interview des Autors am 04.10.2017 über Skype mit dem Aktivisten Ammar, ein Sozialarbeiter.
[45] Die „Nationale Koalition der syrischen Revolutions- und Oppositionskräfte“ ist ein im türkischen Exil angesiedeltes politisches Organ, das von westlichen und arabischen Staaten sowie der Türkei unterstützt wird, jedoch selbst innerhalb der syrischen Opposition höchst umstritten ist.
[46] Razan Ghazzawi et al., „’Peacebuilding defines our future now’: A study of women’s peace activism in Syria“, Badael: 2015.
[47] Guilia Guadagnoli (Hrsg.), „Women Participation in Syrian Cities Today“, EU, Juli 2017.


05 Die Rolle des zivilen gewaltfreien Widerstands im Kontext der direkten Konfrontation

Monatelang demonstrierten AktivistInnen 2016 in Maarat al-Nu’man gegen die Dschihadisten der Nusra-Front (heute: HTS)

Ein Großteil der Arbeit lokaler Organisationen, die den Widerstand gegen radikale Gruppen wie HTS zu entfachen oder zu stärken suchen, findet im Hintergrund lange vor der direkten Konfrontation statt. Sie schaffen Bewusstsein für die Notwendigkeit des Widerstands und mobilisieren Menschen zum Handeln. Bis diese Arbeit Früchte trägt, dauert es. Ziel ist es, so viel Widerstand zu entfachen, dass sich die lokale Bevölkerung schließlich jeder radikalen Gruppe widersetzt, die sie zu unterwerfen oder ihren Einfluss auszudehnen versucht. Aber dieser Prozess basiert vor allem auf einem Schneeballprinzip: Die Auswirkungen scheinen zunächst klein und unbedeutend, aber durch kontinuierliche, langfristige Arbeit können sie größer und schließlich entscheidend werden.

„Wir können nicht überall sein, um gegen jeden Vorstoß und jeden Expansionsversuch der HTS zu reagieren. Daher versuchen wir, lokale BürgerInnen darin zu bestärken, sich ihrer Rechte gewahr zu werden und bereit zu sein, sie zu verteidigen.“ [48]

Dezentrale Bewegungen als Mittel des Widerstandes

Vielen der AktivistInnen zivilgesellschaftlicher Gruppen kommt in der Zeit direkter Konfrontation mit HTS eine wichtige Rolle zu. Dabei verzichten sie darauf, unter dem Banner ihrer Gruppen aufzutreten. Stattdessen bringen sie sich individuell ein, um von ihren persönlichen Kontakten vor Ort zu profitieren – etwa zu Verwandten oder auch zu einzelnen Mitgliedern lokaler bewaffneter Gruppen. Das verschafft ihnen Schutz. Viele AktivistInnen betonen, dass es wichtig sei, diskret aus dem Hintergrund zu agieren. Dadurch entstehen dezentrale Bewegungen, die es dem HTS erschweren, Schlüsselfiguren zu identifizieren und zu eliminieren.

„Einheimische haben in Maarat al-Nu’man regelmäßig über drei Monate lang gegen HTS demonstriert. Aber bis heute weiß eigentlich niemand so genau, wer die Anführer dieser Demonstrationen waren. Das ist einer der Gründe, der HTS daran hindert, sie zu zerschlagen.“ [49]

Wenn die Namen der Organisationen hinter den Protesten nicht bekannt sind, kann HTS deren Mitglieder auch nicht unter dem Vorwand verhaften, es handle sich um AgentInnen anderer Kräfte. Folglich muss HTS die Dynamik vor Ort berücksichtigen. Jede Verhaftung kann dazu führen, dass etwa die erweiterte Familie der oder des Inhaftierten oder eine bewaffnete Gruppe, mit der er oder sie womöglich familiär verbunden ist, sich dagegen wehrt. Zu entsprechenden Auseinandersetzungen kam es in der Vergangenheit mehrfach. [50]

Die Unterminierung des gewaltverherrlichenden Diskurses des HTS

Ein wichtiges Element des Widerstands gegen die Miliz sind argumentative Entgegnungen, die die Rechtfertigungsdiskurse des HTS als hohl entlarven. HTS begründet Angriffe auf seine Feinde in der Regel mit einem Vorwand. Manchmal ist es ein Korruptionsvorwurf, eine angebliche Verletzung der Scharia oder der Vorwurf der Kollaboration mit fremden Kräften. Diese Strategie soll die eigenen Unterstützer mobilisieren und sowie die restliche Bevölkerung neutralisieren. Im Gegensatz zu anderen Rebellengruppen hat HTS viel Erfahrung darin, die lokale Bevölkerung und bewaffnete Fraktionen so zu manipulieren, dass sie sich auf ihr kurzfristiges Überleben konzentrieren und die Konsequenzen dieses Handelns ignorieren. Dies ist umso einfacher geworden, desto mehr der syrische Konflikt das Land fragmentiert hat. Lokale Akteure kümmern sich zunehmend nur noch um sich selbst und ihre Interessen im begrenzten Kontext ihrer eigenen Kleinstädte und Dorfgemeinschaften. [51]

AktivistInnen versuchen daher, die Rechtfertigungsdiskurse von HTS zu entkräften, indem sie deren Verbrechen, Schmierenkampagnen und Vorwände entlarven und die Strategie der HTS offenlegen.

„Wir versuchen immer zu erklären, dass HTS die lokalen Institutionen und Verwaltungsstrukturen nur kontrollieren will, um das eigene Herrschaftsgebiet auszuweiten – ohne die Absicht, irgendetwas zu verbessern. Aus diesem Grund vergleichen wir die Situation in unserer Gegend mit der in HTS-Gebieten und zeigen auf, dass sich dort nichts geändert hat.“ [52]

Außerdem mahnen AktivistInnen gegenüber der lokalen Bevölkerung, welche Konsequenzen drohen, sollte es HTS gelingen, Institutionen und Verwaltungsstrukturen zu übernehmen: Internationale Geldgeber würden auf Abstand gehen und die humanitäre Lage sich weiter verschlechtern.

Der Erfolg gemeinsamer Mobilisierung und der Bildung von Allianzen

In Atareb gelang es immer wieder, die Bevölkerung zu Straßenprotesten gegen HTS zu mobilisieren und Übernahmeversuche der Miliz abzuwehren. So etwa im März 2015 und im Juli 2017. Damals versuchte die Gruppe, die Stadt und ihre Institutionen wie das Polizeihauptquartier, das örtliche Gericht und die Verwaltung unter Kontrolle zu bringen. Als Reaktion auf diesen Übernahmeversuch entschied sich die Bevölkerung, gegen den Willen der Mehrheit der lokalen bewaffneten Gruppen, gegen HTS zu kämpfen. Lokale Anführer, AktivistInnen, Persönlichkeiten und eine kleine Gruppe lokaler Rebellenkommandanten trafen sich, um die Situation zu besprechen. Einstimmig beschloss man, dass alles getan werden müsse, um die Übernahme zu verhindern. [53] Im Anschluss an das Treffen nutzten die AktivistInnen und Würdenträger verschiedene Kommunikationskanäle (soziale Netzwerke, mobile Chat-Dienste, Moscheen), um Kämpfer der bewaffneten Gruppen und die Zivilbevölkerung dazu aufzurufen, sich an der Verteidigung Atarebs zu beteiligen. [54] Kurze Zeit später begannen AktivistInnen und Einheimische, Checkpoint in der Stadt zu errichten. Andere AktivistInnen informierten via Social Media über das aktuelle Geschehen und berichteten über An- und Übergriffe. Über dieselben Kanäle wurden auch Demonstrationen gegen HTS organisiert und Slogans gegen HTS verbreitet. Zusätzlich wurden Gruppen gebildet, die Wasser und Essen an den Checkpoints verteilten. Die Lokalbevölkerung konnte ihre Stadt so vor der Übernahme bewahren und eine weitere Eskalation und direkte Konfrontation mit dem HTS verhindern. Dennoch darf dabei nicht übersehen werden, dass den Kommandeuren lokaler bewaffneter Gruppen und traditionellen Strukturen wie den Ältesten und anderen lokalen Würdenträgern [55] die Schlüsselrolle in Situationen bewaffneter Auseinandersetzungen mit HTS zukommt. In diesen Situationen spielen AktivistInnen aufgrund ihres rein zivilen und räumlich stark begrenzten Agierens nur eine sekundäre, wenn auch wichtige Rolle.

[48] Interview des Autors am 18.07.2017 über Skype mit dem Aktivisten Mohammed, Koordinator von 24CR, eine zivile Widerstandsgruppe gegen Extremismus.
[49] Interview des Autors am 19.07.2017 über Skype mit dem Aktivisten Mustafa, ein freiberuflicher Trainer im Bereich der Friedensarbeit.
[50] Interview des Autors am 20.07.2017 über Skype mit dem Aktivisten Mosaab, örtlicher Koordinator einer Gruppe, die im Bereich der Konfliktbearbeitung tätig ist.
[51] Haid Haid, „Why Ahrar al-Sham couldn‘t stand up to HTS‘s attack in Idlib“, Chatham House, August 2017.
[52] Interview des Autors am 04.10.2017 über Skype mit dem Aktivisten Ammar, ein Sozialarbeiter.
[53] Atareb Syriafree, “Öffentliche Erklärung der Zivilisten, Notabeln und militärischen Anführer Atarebs über das Regimentder Basis 46”, 27.02.2015.
[54] Haid Haid, “Local Community Resistance to Extremist Groups in Syria: Lessons from Atareb”, Chatham House, Juni 2017.
[55] Ebd.


06 Fazit: Konsequenzen für internationale Akteure

Blick über Atareb: Eine stabile lokale Verwaltung und eine starke örtliche Zivilgesellschaft machen die Stadt zu einem Bollwerk gegen die Radikalen

Nach dem Sieg über die mächtige Rebellengruppe Ahrar al-Sham verhält sich HTS selbstbewusster als je zuvor. Dies zeigt sich sowohl in seinen Versuchen, die übrigen bewaffneten Fraktionen zu absorbieren, als auch in seinem Auftreten gegenüber den örtlichen Verwaltungsstrukturen und zivilgesellschaftlichen Gruppen.

Nachdem HTS seine eingangs erwähnte Behörde namens „Zivile Verwaltung für öffentliche Dienstleistungen“ gegründet hatte, gab die Gruppe Richtlinien für die Arbeit der örtlichen Räte und Organisationen bekannt: HTS verlangt von ihnen, dass sie regelmäßig ihre Finanzen melden und der Behörde mitteilen, von welchen Organisatio- nensieunterstütztwerden.56 Diese Dynamik scheint anzuhalten – trotz der türkischen Intervention in Idlib, deren vordergründiges Ziel die Eindämmung des Einflusses der HTS ist. [57]

Viele lokale Räte verweigern die Zusammenarbeit mit der HTS-Behörde, da sie grundsätzlich darauf bestehen, unabhängig von jeglichen bewaffneten Gruppen zu agieren. Zudem befürchten sie, ihnen könn- ten internationale Hilfsleistungen verweigert werden, wenn sie mit der Terrororganisation in Verbindung gebracht würden. [58] Die internationale Unterstützung ist für syrische zivile Organisationen jedoch von zentraler Bedeutung, denn nur mit den internationalen Geldern und technischer Unterstützung können sie HTS weiterhin die Stirn bieten. Doch statt diese Unterstützung weiterhin zu gewährleisten, debattiert die internationale Gemeinschaft angesichts des Erstarkens des HTS, ob und wann Hilfsleistungen für zivilgesellschaftliche Gruppen in Nordsyrien eingestellt werden sollen. Sollte es dazu kommen, wären viele lokale Institutionen und Organisationen dazu gezwungen, ihre Tätigkeiten einzustellen. Dies hätte negative Konsequenzen für die Bevölkerung, die oft von diesen Hilfsleistungen abhängig ist und unter elenden Bedingungen lebt. HTS hätte dann leichte Hand, seine eigenen Ziele umzusetzen: Eigene Räte und Verwaltungen einzusetzen und sämtliche widerständige zivilgesellschaftliche Gruppierungen aufzulösen.

Es gibt keine pauschale Lösung für den Umgang mit HTS, schon allein weil einige der Regionen unter der Kontrolle der Miliz und von ihr kontrollierten Räten stehen, während andere Regionen HTS effektiv Widerstand leisten. Aus den hier dargestellten Beobachtungen lässt sich jedoch zumindest folgern, dass die internationale Staatengemeinschaft eine positive Rolle spielen könnte, indem sie die lokale Bevölkerung dabei unterstützt, sich gegen die Versuche von HTS zu wehren, die zivile Verwaltung zu übernehmen. Dabei sollte sich diese Hilfestellung darauf konzentrieren, unabhängige zivile Organisationen und lokale Entscheidungsträger zu unterstützen und zu stärken, da sie das größte Hindernis für die Ziele des HTS darstellen.

Wie jede Strategie funktioniert ziviler Widerstand in manchen Gegenden besser als in anderen. Es ist jedoch wichtig, zu untersuchen, warum dies jeweils der Fall ist, beziehungsweise unter welchen Bedingungen ziviler Widerstand erfolgreich sein kann und unter welchen er scheitert.

Ein Schlüsselfaktor ist, wie die hier geschilderten Beobachtungen nahelegen, dass staatsähnliche Strukturen existieren, die in der Lage sind, öffentliche Dienstleistungen verlässlich zu erbringen. Das vermeidet, dass HTS ein Vakuum in der öffentlichen Versorgung nutzt, um sich Legitimität und Unterstützung der lokalen Bevölkerung zu sichern.

Es ist daher von zentraler Bedeutung, die öffentliche Verwaltung zu optimieren – hinsichtlich ihrer Strukturen, ihrer Effizienz und ihrer Wertschätzung seitens der Bevölkerung. Hierfür muss die Bevölkerung in Entscheidungsprozesse der Verwaltung eingebunden werden und Verwaltungshandeln kritisch begleiten können.

Die internationale Staatengemeinschaft kann dies fördern, indem sie lokale Verwaltungen finanziell unterstützt, sodass diese effiziente öffentliche Dienste für die Lokalbevölkerung bereitstellen können, ohne hierfür mit HTS verhandeln oder kooperieren zu müssen. Zugleich kann sie sie praktisch unterstützten – etwa durch Wissensvermittlung bezüglich verantwortungsvoller Regierungsführung, der Herstellung von Transparenz, in Sachen Steuerwesen oder hinsichtlich der Bereitstellung öffentlicher Dienstleistungen. Damit kann sie zivilen Verwaltungen helfen, von HTS offerierte Dienstleistungen durch Alternativen zu ersetzen – etwa bei der Wasser- und Stromversorgung.

Wie die vorliegende Arbeit zeigt, spielen auch aktivistische Initiativen eine wichtige Rolle im Widerstand gegen HTS. Es wurde deutlich, dass zivilgesellschaftliche Gruppen mit starken Bindungen zu ihren Gemeinden besser vor Drohungen und Angriffen des HTS geschützt sind. Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich, lokalen zivilgesellschaftlichen Initiativen zu ermöglichen, ihre eigenen Hilfsprogramme und Projekte je nach den Bedürfnissen und Prioritäten vor Ort zu betreiben, um ihre lokale Verankerung zu unterstützen. Genauso wichtig ist es aber auch, den gegenseitigen Austausch syrischer zivilgesellschaftlicher Gruppen über gesammelte Erfahrungen zu fördern und sie dabei zu unterstützen, über den lokalen Rahmen hinaus gemeinsame Strategien und wirkungsvolle Ansätze zu erarbeiten. Dies würde dem lokalisierten, punktuellen Widerstand gegen HTS eine weitreichendere Wirkung ermöglichen.

Ebenso zentral sind starke Beziehungen zwischen der Zivilgesellschaft und den politischen Entscheidungsträgern und Anbietern öffentlicher Dienstleistungen – sie verleihen den unterschiedlichen Akteuren Schutz und Legitimität. In Abwesenheit eines staatlichen Gewaltmonopols sind auch gute Beziehungen zu lokalen bewaffneten Kräften, die die Arbeit von zivilgesellschaftlichen Organisationen unterstützen und ihnen Schutz gewährleisten, ein Faktor für die Widerstandsfähigkeit gegen HTS. Kurz: Je organisierter und geeinter die Gesellschaft vor Ort ist, desto größer ist ihre Chance, sich dem Einfluss des HTS erfolgreich zu widersetzen.

Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass allein ziviler Widerstand radikale Gruppen wie HTS zu Fall bringen kann – angesichts des weiterhin tobenden Krieges, der mit großer Gewalt und weitgehender Straffreiheit einhergeht, sind die Erfolge, die die syrische Zivilgesellschaft bislang gegen HTS erkämpfen konnte, umso bemerkenswerter. Die hier dargestellten Strategien des zivilen Widerstands in Nordsyrien haben eindrucksvoll bewiesen, dass sie die lokale Bevölkerung vor den Expansionsbestrebungen radikaler Gruppen wie HTS schützen oder diese Gruppen zumindest heraus- fordern können.

[56] Shaam Network, „HTS’s Zivil- verwaltung erlässt eine Reihean Gesetzen, um die Arbeit von zivilgesellschaftlchen Gruppen zu marginalisieren“, 21.08.2017.
[57] Dania Akkad, “Turkey‘s Idlib ad- venture a last gasp bid to secure in uence”, Middle East Eye, 11.10.2017.
[58] Lokale Räte veröffentlichten, beginnend mit dem Stadtrat von Idlib, of zielle Erklärungen als Reaktion auf die Gründung der neuen HTS-Verwaltung. Der Rat der Stadt sagte, das Vorgehen der HTS sei ein Versuch, die Behörden des Rates zu unterwerfen und daher völlig inakzeptabel. Es folgte eine Verlautbarung des Rates von Maarat al-Nu’man: Man unterstehe keiner einzigen Gruppe. Der Rat von Jarijnaz ließ verlautbaren, er unterstehe der Autorität der Region Idlib, die wiederum der syrischen Opposition unterstehe, und dass der Rat keiner neuen Autorität folgen werde.


Über den Autor

Haid Haid ist Forschungsstipendiat des International Centre for the Study of Radicalisation (ICSR) sowie Doktorand der Konfliktforschung am Londoner King’s College. Außerdem ist er für die Think Tanks Chatham House und Atlantic Council tätig. Haids Arbeitsschwerpunkte sind Sicherheits-politik, Konfliktbewältigung, die syrische Zivilgesellschaft sowie kurdische und islamistische Bewegungen. Zuvor war er bei der Heinrich-Böll-Stiftung in Beirut als Programmleiter für Syrien und den Irak verantwortlich und arbeitete für das Damaszener Büro des UN-Flüchtlings-hilfswerks. Er hat Abschlüsse in Soziologie, Konfliktbewältigung und Sozialer Entwicklung.

Danksagung

Diese Abhandlung ist der großzügigen Unterstützung und dem Beitrag aller zivilgesellschaftlichen Organisationen zu verdanken, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit mir teilten. Um ihre Identität zu schützen, werden diese Menschen hier nur beim Vornamen genannt. Ich danke außerdem Christin Lüttich von Adopt a Revolution für ihren Rat, ihre Anmerkungen und ihre unermüdliche Unterstützung bei der Realisation dieser Recherche. Ebenso gilt mein Dank Yasir Abbas, Dania Akkad, Anna Nolan und Souha Khairallah, die den vorliegenden Text mit ihrem Feedback bereichert haben.


Stand: November 2017