Sechster Jahrestag des zivilen Aufstands gegen die Assad-Diktatur: Was ist geblieben?

Aktuelle Broschüre bietet Einblick in Zustand der Zivilgesellschaft in Syrien / Beeindruckende Breite an zivilem Engagement trotz Krieg, Terror und gezielter Angriffe / Vermittlung von Kontakten zu zivilen Initiativen in Syrien

13. März 2017. Am 15. März jährt sich der Beginn des Aufstands gegen das Assad-Regime zum sechsten Mal. „Syrien“ steht längst für einen brutalen Bürgerkrieg mit Bombardements ziviler Ziele, Hungerblockaden, dschihadistischem Terror und mehrere Millionen Flüchtlingen. Dabei begannen in Damaskus und Daraa die ersten Proteste gegen die Diktatur unbewaffnet, in der Folgezeit forderten bis zu 1.000 Demonstrationen gleichzeitig den Rücktritt von Bashar al-Assad. Doch was ist von den friedlichen Anfängen der Revolte geblieben?

Anlässlich des Jahrestags stellt Adopt a Revolution eine ausführliche Broschüre zum Zustand der syrischen Zivilgesellschaft vor. Anhand von fünf zivilgesellschaftlichen Zentren im ganzen Land geht die Publikation drei Kernfragen nach: Unter welchen Bedingungen arbeiten AktivistInnen der Zivilgesellschaft in Syrien? Was sind Chancen und Grenzen zivilen Handelns, welche Überlebensstrategien haben die Menschen? Wie gestaltet sich das Verhältnis zwischen Zivilgesellschaft und bewaffneten Akteuren?

„Trotz der Bomben des Assad-Regimes und trotz des Terrors islamistischer Milizen setzen sich an vielen Orten zivile Aktivistinnen und Aktivisten für Demokratie, Menschenrechte und eine gerechte Gesellschaft ein“, fasst Ferdinand Dürr, Geschäftsführer von Adopt a Revolution, die auf 50 Stunden Interviews beruhende Kurzstudie zusammen. „Diese zivilen Initiativen haben unsere Solidarität verdient – und viel mehr Aufmerksamkeit!“
 

Die 16-seitige Broschüre finden Sie hier als PDF zum Download.

Gerne vermitteln wir Ihnen Ansprechpartner folgender Initiativen in Syrien und stehen für O-Töne, Rückfragen und Hintergrundinformationen zur Verfügung.
 

Die Kellerschulen in Erbin (Gouvernement Damaskus Umland)

Erbin liegt in der Region Ost-Ghouta, direkt an der Stadtgrenze von Damaskus. Seit 2012 gilt der Ort als belagert, Wasser- und Stromversorgung sind gekappt, Lebensmittel und Medikamente gelangen nur durch Schmugglertunnel hinein. Hinzu kommen Luftangriffe und ein ständiger Beschuss mit Granaten. In den letzten drei Jahren haben AktivistInnen sechs säkulare Schulen aufgebaut, die aus Sicherheitsgründen in Kellerräumen eingerichtet wurden. Rund 5.000 Kinder werden dort von der Grundschule bis zum Abitur unterrichtet, allerdings ohne das Fach Religion, um sich von Bildungsangeboten radikaler Islamisten abzugrenzen. Sollte das Assad-Regime eine militärische Lösung für den Konflikt in Syrien anstreben, droht sich die Region Ost-Ghouta mit derzeit noch fast 400.000 BewohnerInnen zu einem „zweiten Aleppo“ zu entwickeln.

Weitere Informationen zu den Kellerschulen:
https://www.adoptrevolution.org/erbin-bildung-die-zum-frieden-erzieht/
 

Ziviles Zentrum Atareb (Gouvernement Aleppo)

Rund 40 Kilometer westlich von Aleppo streiten AktivistInnen des Zivilen Zentrums Atareb für Demokratie und Gerechtigkeit. Sie veranstalten Fortbildungen und Workshops zum Thema friedliche Konfliktbearbeitung, sie dokumentieren Kriegsverbrechen und organisieren lokale politischen Kampagnen – etwa jüngst gegen Waffen im öffentlichen Raum der Stadt. Durch Demonstrationen, Proteste und zivilen Ungehorsam war es den AktivistInnen in der Vergangenheit bereits gelungen, dschihadistische Milizen aus der Stadt zu vertreiben. Die militärische Kontrolle üben lokale Einheiten der Freien Syrischen Armee (FSA) aus, Angriffe der syrischen und der russischen Luftwaffe finden dennoch regelmäßig statt. In der Region wurden zahlreiche Flüchtlinge aus Aleppo aufgenommen.

Informationen zur Kampagne gegen Waffen in Atareb:
https://www.adoptrevolution.org/atareb-gegen-das-waffenchaos/
Weitere Informationen zum Zivilen Zentrum Atareb:
https://www.adoptrevolution.org/blockade-der-angst-durchbrechen/
 
 
Ihr Ansprechpartner für Rückfragen:
Ferdinand Dürr, Geschäftsführer Adopt a Revolution
0176-21 71 93 35, presse@adoptrevolution.org

Adopt a Revolution unterstützt seit Anfang 2012 die Arbeit der jungen syrischen Zivilgesellschaft und vermittelt hierzulande Informationen aus der syrischen Demokratiebewegung. Unter www.syrien-unterstuetzen.de stellt die Initiative aktuelle Entwicklungen aus der syrischen Zivilgesellschaft dar. Zu zivilen Initiativen hat Adopt a Revolution bisher über einer Millionen Euro aus privaten Kleinspenden beigetragen.

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