PM: Grenzschließungen verschärfen humanitäre Katastrophe in Syrien

Syrien: 270.000 Flüchtlinge stauen sich vor abgeriegelter Grenze / Regime-Offensive auf Daraa provoziert Massenflucht / PartnerInnen von Adopt a Revolution berichten von vor Ort von katastrophaler Situation

Berlin, 6. Juli 2018. Nahe der jordanischen Grenze versuchen sich Zehntausende Menschen aus der südsyrischen Provinz Daraa verzweifelt vor der Offensive des Assad-Regimes in Sicherheit zu bringen. Nach UN-Angaben handelt es sich um 270.000 Flüchtlinge und damit um eine der größten Fluchtbewegungen seit Beginn des Syrien-Krieges. Jordanien und Israel haben ihre Grenzen abgeriegelt. PartnerInnen von Adopt a Revolution berichten über katastrophale Umstände. Zehntausende Menschen harren nahe der Grenze größtenteils im Freien aus.

„Es sieht hier aus wie am Tag des Jüngsten Gerichts, so dicht sind die Menschen gedrängt“, berichtet Sohep Mohammad, Medienaktivist aus Jassim. „Zehntausende Menschen unter den Bäumen. Die Situation ist so unbeschreiblich. Man bräuchte 1000 Organisationen, um diesen Menschen zu helfen. Es gibt einfach nicht genügend Zelte und grundlegende Lebensmittel“, ergänzt Sara Al-Hourani, Ersthelferin des Zivilschutzes aus Daraa Stadt. (Weitere Zitate von zivilen Aktivisten aus Daraa finden Sie hier: https://www.adoptrevolution.org/die-un-nur-200-meter-entfernt/.)

Adopt a Revolution ruft wie zahlreiche andere Menschenrechtsorganisationen Jordanien dazu auf, seine Grenzen für die Schutzsuchenden zu öffnen. „An der jordanischen Grenze zeigt sich brutal, was abgeriegelte Grenzen für Flüchtlinge bedeuten”, so Ferdinand Dürr, Geschäftsführer von Adopt a Revolution. Die Grenzschließungen der Nachbarstaaten Syriens müssten dabei auch im Zusammenhang mit der Debatte um die Zurückweisungen in Europa gesehen werden, so Dürr. „Die immer härtere Abschottungspolitik der europäischen Staaten setzt die Nachbarstaaten Syriens unter Druck, ebenso ihre Grenzen zu schließen“.

Seit dem 19. Juni geht das Assad-Regime mit russischer Luftunterstützung und mit Hilfe iranischen Milizen gegen die von oppositionellen Kräften kontrollierte Region Daraa vor, in der der Aufstand gegen das Regime 2011 seinen Anfang nahm. Unterschiedlichen Angaben zufolge kamen dabei bislang über 200 ZivilistInnen ums Leben, hunderte weitere wurden verletzt. Wie bei ähnlichen Offensiven des Regimes sind Angriffe auf zivile Ziele Teil der militärischen Strategie: Seit Beginn der Offensive wurden mindestens 5 Krankenhäuser angegriffen.

„Solange Akteure wie das Assad-Regime ungestraft und ungehindert ein Kriegsverbrechen nach dem anderen begehen können, sind Menschen zur Flucht gezwungen,“ so Ferdinand Dürr. Nach wie vor stammt rund ein Viertel aller Asylantragstellenden in Deutschland aus Syrien. Nach Angaben des UNHCR stammen von dort auch 19,2 Prozent der Menschen, die seit Anfang des Jahres die lebensgefährliche Flucht über das Mittelmeer wagten. Allein im diesen Jahr sind mindestens 1.355 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken.

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Adopt a Revolution unterstützt seit Anfang 2012 die Arbeit der jungen syrischen Zivilgesellschaft und vermittelt hierzulande Informationen aus der syrischen Demokratiebewegung. Unter www.adoptrevolution.org stellt die Initiative aktuelle Entwicklungen aus der syrischen Zivilgesellschaft dar. Zivile Initiativen in Syrien hat Adopt a Revolution bisher mit über eine Millionen Euro finanziell unterstützt.