Initiative aus Hazeh: Der Kampf gegen die Blindgänger

Gesundheitsaufklärung für Kinder – das bedeutet in den östlichen Damaszener Vororten vor allem, auf die Gefahren durch Blindgänger, Bombensplitter oder kontaminiertes Wasser aufmerksam zu machen. Im Krieg braucht es solche Grundkenntnisse, sobald Kinder im Freien spielen.

Als ihn ein Lehrer fragte, warum er nicht richtig schreiben könne, begann der Junge zu weinen. Mit Freunden hatte er draußen gespielt, als sie ein merkwürdiges Objekt fanden. Die Explosion des Blindgängers raubte ihm Teile seiner Finger. Während der Junge schluchzte und seine Geschichte erzählte, begannen weitere Kinder von ähnlichen Erlebnissen zu berichten. Da wurde den jungen BildungsaktivistInnen von Lamset Amal (arabisch „Eine Spur von Hoffnung“) klar, dass sie etwas tun müssen. „Es ist so wichtig, sie über die Gefahren aufzuklären“, erzählt Nader, ein Mitglied der Gruppe, „und in unserer Region hat das noch niemand getan.“

Ein Lehrer der Gruppe zeigt, wie Erste Hilfe funktioniert

Ein Lehrer der Gruppe zeigt, wie Erste Hilfe funktioniert

Keiner von ihnen ist älter als 25
Dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen zufolge sind rund 40 Prozent aller zivilen Opfer von Landminen und Blindgängern Kinder. Zudem setzten Russland und das syrische Regime im Laufe des Konflikts massiv Streubomben ein – die international geächtete Waffe hinterlässt zahlreiche Mini-Sprengkörper, von denen viele oft nicht sofort explodieren. In den östlichen Ghuta, wo die AktivistInnen von Lamset Amal leben, gibt es viele tödliche Überbleibsel des Krieges. Seit Jahren ist die Region brutalen Kämpfen zwischen islamistischen Milizen und dem syrischen Regime ausgesetzt. Im Sommer 2013 fanden hier die verheerenden Giftgasangriffe statt, die über eintausend Menschen töteten. Heute ist die Region belagert. Elektrizität und Nahrungsmittel sind knapp. Unter diesen Bedingungen versucht Lamset Amal den Kindern Zugang zu Bildung zu ermöglichen, so etwas wie einen Schulbetrieb aufrechtzuerhalten, Hoffnung zu geben. 30 Lehrer und 50 Lehrerinnen sind sie. Keiner von ihnen ist älter als 25 – manche lehren zum ersten Mal, sind direkt nach der Oberstufe zum Team gestoßen. Das Zentrum ihrer Arbeit liegt in Hazeh, einem kleinen Vorort von Damaskus mit rund 25.000 EinwohnerInnen, 10.000 davon Binnenvertriebene. Hier betreiben sie mehrere Schulen. Anders als Nachbarorte wie Erbin oder Douma ist Hazeh selbst einer interessierten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt – das führt dazu, dass die finanzielle Situation für die zivilgesellschaftlichen Initiativen vor Ort besonders angespannt ist.

Ein von den Aktivisten genutzter Infoflyer. "Ich liebe es zu spielen, aber...", lautet der Titel

Ein von den Aktivisten genutzter Infoflyer. „Ich liebe es zu spielen, aber…“, lautet der Titel

Der Andrang ist groß
Zusätzlich zu all dieser Arbeit fahren die AktivistInnen der Gruppe nun auch noch durch die Region, um über die Gefahren des Krieges aufzuklären. Dabei unterstützt sie Adopt a Revolution. „Unser Ziel ist es, so viele wie möglich zu erreichen“, sagt Nader. Zu den Themen gehören Blindgänger, Bombensplitter und kontaminiertes Wasser. Wie man Erste Hilfe leistet und sich vor einem Angriff richtig schützt. Dafür gehen sie in die Flüchtlingslager, Schulen und Rehabilitationszentren. Ihr Angebot richtet sich vor allem an Kinder zwischen fünf und zehn Jahren. In einem dutzend Ortschaften haben sie bereits gearbeitet. Ehrenamtlich. „Die Kinder sind sehr aktiv und haben Spaß. Fast alle beteiligen sich rege“, erzählt Eman, eine Initiatorin des Projekts. Manch ein Lehrer hat sie sogar gefragt, ob solche Schulungen nicht auch für das Kollegium möglich wären. Der Andrang ist so groß, dass die AktivistInnen in einigen Schulen gleich mehrere Kurse anbieten müssen.

Die Arbeit ist nicht einfach. Viele Kinder besuchen die Schule nicht mehr. Sie arbeiten, um der Familie dabei zu helfen, mit den horrenden Lebensmittelpreisen fertig zu werden. Sie sammeln Müll oder agieren gar als Laufburschen für Kämpfer. „Wir wollen sie von den Ideen des Krieges fernhalten“, sagt Eman. Nach der Schule bieten sie nun Aktivitäten wie Malen oder Handwerken an, weit weg von der Front.

Ob sie Hoffnung haben auf ein besseres Syrien?
„Wir müssen hart arbeiten“, sagt Nader, „bis zur Erschöpfung. Wenn wir Hand in Hand arbeiten, dann schaffen wir es, dass Syrien ein guter Ort wird.“
„Wir Jungen werden Syrien wieder aufbauen“, ergänzt Eman.

Die Vororte von Damaskus werden seit Jahren belagert und beschossen. Mienen und Blindgänger stellen insbesondere für Kinder eine immense Gefahr dar. Unterstützen Sie Sie die AktivistInnen von „Eine Spur Hoffnung“, ein Fundament für die Zukunft Syriens zu bereiten und Kinder zu schützen!

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