Kfar Nabel, eine Stadt unter der Verwaltung von Rebellen in der Region Idlib, ist für gewöhnlich nicht bekannt für grünen Rasen, Fair Play und unbeschwertes Leben. Doch der Foto-Blog von Mostafa al-Jalal über die Entstehung und Nutzung des Futsal-Spielfeldes in der syrischen Stadt gibt einen Eindruck davon, dass es im kriegserschütterten Syrien auch dafür Platz gibt. Inmitten der Meldungen über die schwierige Lage des Krieges in Syrien und seiner Zuspitzung seit den Pariser Anschlägen im November 2015 und dem militärischen Eingreifens Russlands sind es solche Bilder, die zeigen, wie ein Morgen nach den Zeiten von Krieg und Zerstörung auch in anderen syrischen Städten aussehen könnte.

Die Anzahl der politischen Akteure und der Länder, die sich militärisch in Syrien beteiligen, steigt und damit auch die Komplexität der Ereignisse. Dabei darf nicht vergessen werden, dass die lokale Bevölkerung in Regionen wie dem damaszener Distrikt Ghouta seit Jahren unter extrem schwierigen ökonomischen und humanitären Bedingungen leben. Al Basel-Tadros beschreibt für den Syrian Observer die dramatische Lage in Ghouta, das nach drei Jahren Belagerung vonseiten der Regierung zum täglichen Schauplatz des Kampfes um grundlegende Lebensmittel und Dienstleistungen geworden ist. Inzwischen wird in Bäckereien Tierfutter genutzt, um Backwaren liefern zu können: Der Brotteig in Ghouta ist in der Regel ein Gemisch aus Tierfuttergetreide und Gerste. Aufgrund der andauernden Wasserknappheit und der unregelmäßigen Stromversorgung können die Länderein nicht bewirtschaftet werden und viele der Nutzflächen liegen brach. Das wenige Vieh, welches die unzähligen Bombardements überlebt hat, konkurriert nun mit der lokalen Bevölkerung um die rar gewordenen Lebensmittel, die trotz des Belagerungszustandes in der Stadt zum Verkauf angeboten werden können. Lebensmittel können nur durch amateurhaft gebaute Tunnel nach Ghouta gebracht werden – die Lebensgrundlage der Bevölkerung einer Stadt im Belagerungszustand. Der Autor des Syrian Observer schließt seinen Artikel mit einer persönlichen Erfahrung ab; einer Berichterstattung über die Vergiftung einer Vielzahl an Bürger_Innen der Stadt Ghouta, denen vom Fleischer verdorbenes Fleisch von Eseln, Katzen und toten Kühen verkauft worden war.

Auch die Versorgungslage in Aleppo ist aufgrund der Bombardierungen und der Flucht von Personal schlechter geworden. Grundlegende Dienstleistungen wie die medizinische Versorgung können nur noch in geringem Umfang gewährleistet werden. Hussam Kuwaifatiyeh berichtet in seinem Artikel vom 16. November 2015 für Damascus Bureau über die schlechte medizinische Versorgung in Aleppo angesichts der Schließung einer Vielzahl an medizinischen Einrichtungen. Dabei sind die Opfer von Fassbomben, Straßengefechten und explosivem Material vielzählig – ihre Zahl liegt an manchen Tagen bei mehr als dreißig versorgungsbedürftigen Patienten. Es fehlt an Material und Personal für Operationen, darunter Narkosemittel, Antibiotika, Röntgengeräte und Dialysemaschinen. Der Autor zitiert einen Bericht des Violations Documentation Centre in Syria, demzufolge in den durch die Opposition verwalteten Teilen Aleppos und den laut The Guardian ca. 40.000 Bewohner_Innen (Stand November 2015) nicht mehr als zehn Allgemeinmediziner, vier Kinderärzte, drei Orthopäden, zwei Urologen und nur jeweils ein Anaesthesist, ein Unfallarzt und ein Ophthalmologe zur Verfügung stehen.

Betrachten wir den Krieg in Syrien durch die strategische Brille, so fällt auf, dass die Zahl der Akteure auf lokaler und internationaler Ebene zugenommen hat. Das wurde spätestens mit der zweiten Syrien-Konferenz in Wien Mitte November 2015 deutlich. Nach den Anschlägen in Paris vom 13.11.2015 hat Deutschland Frankreich militärische Unterstützung im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) zugesagt. Polla Garmiany berichtet für rudaw, dass sich Deutschland mit Tornado Aufklärungsflugzeugen, mit einem Monitoring-Satelliten und mit einer Seefregatte im Persischen Golf zur Sicherung der französischen Flugplattform Charles de Gaulle am militärischen Einsatz gegen den IS beteiligt. Deutschland war schon zuvor durch Ausbildungsmissionen für die kurdischen Peschmerga in der Bekämpfung des IS beteiligt gewesen.

Die Rolle der Türkei ist ebenso im Kampf gegen den IS wie auch im Zusammenhang der Flüchtlingsbewegungen aus Syrien besonders interessant und ebenso diskussionswürdig. Wie David Graeber für die Nachrichtenplattform jadaliyya.com berichtet, wurde von dem Institute for the Study of Human Rights der US-amerikanischen Columbia University in New York eine Liste erstellt, die Beweise „türkischer Unterstützung für ISIS in Syrien“ aufführt, so der Autor. Die Rolle des Präsidenten der Republik Türkei ist im Zusammenhang des Krieges in Syrien nicht ganz eindeutig: Während die Türkei als NATO-Mitgliedsstaat die militärischen Anstrengungen zur Bekämpfung des IS und die Bewaffnung der kurdischen Peschmerga unterstützt, ist die politische Agenda der türkischen Regierung im eigenen Land nicht auf einen Dialog mit den kurdischen Parteien ausgerichtet. David Romano vom Nachrichtenportal rudaw.net erörtert, dass die syrischen Kurden unter der Führung der PYD (Democratic Union Party) ein offensichtliches Interesse daran haben, die drei nordsyrischen Kantone mit kurdischer Mehrheit (Jazira, Kobane und Afrin) miteinander zu verbinden. Die türkische Regierung hingegen hat in ihrer Rhetorik der „roten Linien“ die kurdischen Milizen davor gewarnt, die Region um Jarablus unter ihre Kontrolle zu bringen – da dies vonseiten der türkischen Regierung nicht akzeptiert werden könne.