Wie gelangen die Spenden nach Syrien?

Teilweise arbeiten wir mit Netzwerken von AktivistInnen zusammen, die in Europa Strukturen aufgebaut haben, um Gelder nach Syrien zu transferieren. Diese werden dann meist in einem letzten Schritt über die türkische, libanesische oder jordanische Grenze gebracht. Insbesondere der letzte Schritt ist schwierig – aber die Netzwerke haben viel Erfahrung damit, Gelder sicher über die Grenze zu bringen.

Zum anderen sind die Grenzen zu den Nachbarstaaten für viele AktivistInnen inzwischen durchlässig geworden. In solchen Fällen haben wir Vertrauenspersonen in den Nachbarländern gewonnen, die Gelder direkt an VertreterInnen der jeweiligen Komitees und Projekte übergeben.

Wie stellt Adopt a Revolution sicher, dass die gespendeten Gelder nicht für Waffen verwendet werden oder in die Hände von islamistischen Terroristen gelangen?

Alle Komitees haben sich vertraglich dazu verpflichtet die Spendengelder nur für bestimmte Zwecke zu verwenden – so zum Beispiel für Unterkunft und Lebensmittel politisch Verfolgter im Untergrund, Kommunikationstechnik, Internetzugänge und Kosten für Zeitungen oder Infomaterialien für Demonstrationen. Sie geben uns gemäß dieser Verträge weiterhin durch regelmäßige Berichte Auskunft über die Verwendung der Spendengelder und lassen uns entsprechende Belege zukommen. Die Berichte finden Sie hier.
Wir halten auch direkten Kontakt zu unseren Partnern. Da die Netzwerke der Komitees ebenfalls einen direkten Kontakt zu den Komitees pflegen, ist es außerdem Usus, dass diejenigen Komitees, bei denen aufgrund eines hohen Leidensdrucks die Gefahr besteht, dass sie das Geld für unbotmäßige Zwecke (im Extremfall: Waffen) verwenden könnten, direkt mit Sachspenden statt mit Bargeld unterstützt werden.
Über den direkten Kontakt mit Netzwerken und Komitees wissen wir sehr genau, wer das Geld bekommt. Unsere Partner setzen sich für ein demokratisches, plurales, multireligiöses und multiethnisches Syrien ein. Gruppen wie die radikal islamistische und El-Qaida nahe Al Nusra Brigade oder die Dschihadisten von Islamischer Staat im Irak und Syrien (ISIS) lehnen sie ab und haben sie mehrfach öffentlich kritisiert.

Wie kann ich mich über die Lage in Syrien informieren?

Wir stellen regelmäßig eine Presse- und Blogschau zum Thema Syrien zusammen, die einen Gesamtüberblick über Nachrichten, Meinungen und Analysen geben soll. Sie finden die Presseschau in unserem Blog,
feed_iconUnsere Syrien-Presseschau können Sie als RSS-Feed abonnieren.
Für eine regelmäßige Zusammenfassung unserer Beiträge im Syrischer Frühling-Blog schicken Sie uns doch einfach eine Email an: newsletter[ätt]adoptrevolution.org. Darin finden Sie neben den Presseschauen und von uns selbst verfassten Analysen der Lage auch Interviews und Berichte direkt aus Syrien von unseren Netzwerken.

Kann ich Adopt a Revolution mit Sachspenden unterstützen?

Leider stehen uns nicht die nötigen Strukturen zur Verfügung, um Sachspenden wie Medikamente, Handys oder Computer in Deutschland zu sammeln und über die Grenzen nach Syrien zu bewegen. Uns sind bis dato auch keine anderen Organisationen bekannt, die regelmäßig Sachspenden aus Deutschland nach Syrien überführen. Hin und wieder gibt es aber lokale Aktionen. Wir informieren über solche Aktionen auf unserer Facebookseite.

Wer leistet humanitäre Hilfe in Syrien bzw. den angrenzenden Staaten?

Adopt a Revolution möchte primär das Engagement der BürgerInnen-Komitees für selbstbestimmte gesellschaftliche Aktivität und Partizipation in Syrien unterstützen. Damit wollen wir dazu beitragen, dass der Einsatz für Demokratie fortgesetzt werden kann.
Wir arbeiten jedoch mit folgenden Organisationen zusammen, die sich auf humanitäre Hilfe in Syrien und den angrenzenden Staaten konzentrieren und die Idee von Adopt a Revolution inhaltlich unterstützen:

Medico International
Lien e.V.

Welcher Teil einer Spende kommt tatsächlich bei den Komitees an?

Nicht nur der Protest in Syrien muss finanziert werden, sondern auch die Solidaritätskampagne in Deutschland. Adopt a Revolution versucht trotzdem einen möglichst hohen Anteil der Spenden für die Projekte in Syrien zu verwenden und Öffentlichkeitsarbeit, Miete und andere laufende Kosten wie den Flyerdruck oder Versandmaterial auf andere Weise zu finanzieren, etwa über Anträge bei Stiftungen und anderen Geldgebern. Eine aktuelle Übersicht, wie wir unsere Mittel verwenden, beinhaltet der Jahresbericht 2013.

Ich möchte eine Veranstaltung zu Syrien in der Stadt xy organisieren. Können wir zusammen arbeiten?

Wir stellen gerne Adopt a Revolution vor Ort vor und stehen in diesem Rahmen für eine Diskussion zur Verfügung. Darüber hinaus können wir Ihnen erfahrene ReferentInnen empfehlen, die einen Vortrag zu verschiedenen Themen mit Bezug Syrien oder arabischer Frühling halten können, an einer Podiumsdiskussion teilnehmen und auch zur Konzeption von Veranstaltungen beraten können.
Weiterhin verbreiten wir gerne eine Ankündigung Ihrer Veranstaltung auf unserer Website.
Abhängig von der Art der Veranstaltung können wir eventuell einen Beitrag zu einer Veranstaltung leisten, indem wir Adopt a Revolution vor Ort vorstellen und in diesem Rahmen für eine Diskussion zur Verfügung stehen.
Schreiben Sie uns einfach eine Email an: info@adoptrevolution.org.

Was passiert mit meiner Spende, wenn das Spendenbarometer 100% erreicht hat?

Die Spenden kommen in einem solchen Fall trotzdem dem Komitee zu Gute, das von Ihnen ausgewählt wurde. Da wir die Komitees über einen längeren Zeitraum unterstützen möchten, werden die zusätzlich eingehenden Spenden schon für den kommenden Monat verbucht. So können wir den Komitees eine längerfristige Finanzierung garantieren.

Wie kann ich euch zusätzlich zu einer Spende unterstützen?

Die meiste Arbeit bei Adopt a Revolution wird ehrenamtlich erbracht. Wir suchen immer Leute, die z.B. Beiträge für unseren Blog schreiben, eine Presseschau zusammenstellen oder Texte aus dem Arabischen übersetzen. Außerdem schreiben wir regelmäßig PraktikantInnenstellen aus.
Sie helfen uns aber auch, wenn Sie Informationen über die Arbeit der syrischen BürgerInnen-Komitees und ihren Einsatz für Demokratie und Menschenrechte verbreiten und dazu beitragen, Adopt a Revolution bekannter zu machen.
Das kann zum Beispiel durch Diskussionen im Freundes- und Bekanntenkreis, durch einen Verweis auf unsere Homepage z.B. in Blogs und sozialen Netzwerken oder durch Aushänge in Universitäten und Vereinsräumen erfolgen.
Wir schicken Ihnen auch gerne unseren Flyer und unsere Zeitung zu – senden Sie uns einfach eine E-Mail mit Verwendungszweck, der gewünschten Anzahl und Ihrer Adresse an info@adoptrevolution.org.
Den html-Code zur Einbettung unseres Banners auf Ihrer Internetseite finden Sie hier.
Gegebenenfalls können Sie bei uns auch ein Praktikum leisten.

Wie kann ich die monatliche Abbuchung einer Spende beenden?

Wenn Sie einer monatlichen Spende an Adopt a Revolution zugestimmt haben, können Sie diese Spende jederzeit mit einer Email an spenden@adoptrevolution.org beenden.

Kann Adopt a Revolution positiv auf eine postrevolutionäre Situation Einfluss nehmen?

Adopt a Revolution unterstützt ausgewählte BürgerInnen-Komitees, welche sich den Grundsätzen von Demokratie und Menschenrechten verpflichtet haben. In diesen Komitees und im Netzwerk LCC arbeiten zivilgesellschaftliche Akteure multiethnisch und konfessionsübergreifend überregional zusammen und arbeiten gemeinsam unbewaffnet für einen demokratischen und säkularen syrischen Rechtsstaat.
In den vergangenen Jahrzehnten wurde in Syrien jegliche Opposition vom Regime Al Assad systematisch gewaltsam unterdrückt – die alltäglichen Repressionen schwächten auch das politische Selbstbewusstsein und den Partizipationswillen vieler SyrerInnen. Die syrische Protestbewegung steht diesbezüglich für eine neue Entwicklung: Die BürgerInnen Syriens demonstrieren nicht nur gegen Unterdrückung und fordern ihr Recht auf demokratische Partizipation ein. Sie praktizieren auch schon heute Demokratie in ihren eigenen Strukturen.
Deshalb sind die lokalen BürgerInnen-Komitees wichtige Basis zukünftiger gesellschaftlicher Strukturen. Auch nach einem Ende der Revolution wird die syrische Zivilgesellschaft dabei weitere solidarische und finanzielle Unterstützung benötigen.

Wie steht ihr zur Freien Syrischen Armee?

Wir glauben, dass die militärische Eskalation den zivilgesellschaftlichen Protest an den Rand drängt und die Gefahr birgt, dass extremistische und undemokratische Kräfte politisch an Gewicht gewinnen. Deshalb ist es besonders wichtig die Zivilgesellschaft in dieser Situation zu stärken. Wir wissen, dass die Lokalen Koordinierungskomitees eng mit Teilen der Freien Syrische Armee (FSA) zusammenarbeiten, nicht zuletzt hat sich die FSA zunächst zum Schutz dieser Gruppen und ihrer Aktionen gegründet. Diese Zusammenarbeit sehen wir positiv, wenn so auf die Vorgehensweise der FSA Einfluss genommen und sie in Diskussionsprozesse eingebunden wird, etwa durch den Code of Conduct, den das Netzwerk der Lokalen Koordinierungskomitees erarbeitet hat. Unterstützen wollen wir diese Zusammenarbeit aber aus prinzipiellen Erwägungen nicht. Deshalb haben sich unsere Partner verpflichtet, das von uns erhaltene Geld allein für zivile Aktivitäten einzusetzen. Eine militärische Intervention von außen lehnen wir wie unsere Partnernetzwerke ab.

Gibt es innerhalb der syrischen Protestbewegung eine Spaltung entlang ethnischer oder religiöser Grenzen?

In Syrien sind von Anfang an Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten und religiösen und ethnischen Gruppen auf die Straße gegangen, um gemeinsam für Demokratie und Menschenrechte zu demonstrieren. Leider haben sich inzwischen viele Menschen von der Propaganda des Regimes, es ginge in Wahrheit um einen konfessionellen Konflikt, beeinflussen lassen. Gräueltaten der Schabiha-Milizen des Regimes auf der einen Seite und von Al-Qaida-nahen Gruppen auf der anderen haben Angst und Wut gegenüber Angehörigen bestimmter Gruppen geschürt.
Die Bildungs- und Aufklärungsarbeit unserer Partner richtet sich unter anderem darauf, einer Spaltung der Gesellschaft entgegen zu wirken. Die Komitees haben im letzten Jahr etliche auch von Adopt a Revolution finanzierte Aktionen umgesetzt, die sich gegen Ethnisierung und Konfessionalisierung richteten. Außerdem legen die Komitees großen Wert auf eine gemischt-konfessionelle Zusammensetzung ihrer Gruppen.
Ziel der Arbeit von Adopt a Revolution ist es, diejenigen Kräfte zu unterstützen, die sich für einen säkularen, demokratischen Rechtsstaat mit Menschen- und Minderheitenrechten engagieren.

Wie steht ihr zu einer militärischen Intervention?

Unsere ausführliche Stellungnahme zu einer sogenannten humanitären Intervention finden Sie hier.

Stimmt es, dass Al-Qaida eng mit der syrischen Opposition zusammenarbeitet?

Nein. Die zivile Opposition grenzt sich klar von Al-Qaida ab und verurteilt das Vorgehen von dschihadistischen Milizen wie Gräueltaten gegen Regimemilizionäre oder das Errichten von Scharia-Gerichten. Auch die Freie Syrische Armee hat sich von Al-Qaida-nahen Milizen distanziert. Auf der anderen Seite haben eine Reihe fundamental-islamistischer Milizen erklärt, das Kommando der FSA nicht anzuerkennen. Offiziell gibt es also keinerlei Zusammenarbeit. Allerdings sprechen sich in den Kampfzonen Einheiten der FSA und Al-Qaida-Gruppen ab und es gibt auch Fälle, in denen sie gemeinsam operieren.

Warum nennt Ihr Euch Adopt a Revolution? Ist es nicht paternalistisch die syrischen AktivistInnen adoptieren zu wollen?

Das Projekt Adopt a Revolution wurde gemeinsam von syrischen und deutschen AktivistInnen entwickelt. Auch der Name wurde gemeinsam ausgesucht. Bei dem Projekt geht es uns um beidseitige Solidarität – zum einem sollen natürlich Komitees mit Geldern in Syrien unterstützt werden, zum anderen ist ein Austausch sehr wichtig. Wir wollen unsere Erfahrungen austauschen, wollen lernen von dieser Revolution, von dem Mut, der Kreativität und den Ideen die die AktivistInnen in Syrien haben. Das englische Wort Adopt – übersetzt: sich einer Sache annehmen, sich einsetzen, drückt genau dies aus.
Adopt, im Deutschen oft nur als Adoptieren verstanden, spielt zudem auch mit einem Paradox – ein Baum, ein Eisbär, vielleicht auch ein Kind kann mensch adoptieren. Aber eine Revolution ganz sicher nicht. Aber warum sollte es in Zeiten von zig Patenschaften nicht auch eine Revolutionspatenschaft geben?
Zu guter letzt spielt der Name Adopt a Revolution auch auf „Adopt a Resolution“ an – eine Resolution annehmen, etwas, was die UN häufig tut, aber, so geht der Witz in der arabischen Welt, aus der meist nichts folgt. Mit dem Wortspiel wollen wir verdeutlichen, dass wir etwas grundsätzlich anderes tun: Wir appellieren nicht nur, wir unterstützen konkrete Arbeit.

Stand: 8. April 2014