In den letzten Wochen tut sich in Syrien ein neuer Konflikt auf: In den so genannten befreiten Gebieten, von wo das Assad-Regime seine Armee zurückgezogen hat oder die Truppen vertrieben wurden, versuchen radikal-islamistische Kämpfer zunehmend, ein Staatswesen nach ihren eigenen Regeln aufzustellen. Hierzu passen beispielsweise Berichte davon, dass Anfang Juni in Aleppo ein junger Straßenhändler auf offener Straße erschossen wurde, weil er den Propheten Mohammad beleidigt haben soll.

Dschihadisten Statement von Studierenden

Stellungnahme der Kurdischen Studierendenunion zur Festnahme von Studierenden durch die radikalislamistischen Jabhat al-Nusra Brigaden vom 18.7.2013.

Ende letzter Woche berichteten AktivistInnen der unabhängigen Union der Freien Syrischen Studierenden (UFSS), dass 19 Studierende von dschihadistischen Rebellen festgenommen wurden. Sie waren auf dem Weg von der Universität in Homs in ihre Heimatorte rund um Kobani, nahe der syrisch-türkischen Grenze. Beim Ziel, eine streng islamische Gesellschaft durchzusetzen, seien auch Studierende vermehrt Ziel der strengen Sittenkontrolle geworden. Zudem gehen radikal-islamistische Gruppen gegen zivilgesellschaftliche Akteure vor, die sich für einen zivilen, säkularen Staat einsetzen und versuchen, der gesellschaftlichen Kontrolle der Islamisten etwas entgegenzusetzen.

In einigen der „befreiten“ Gebiete protestieren Studierende schon seit einiger Zeit stärker gegen Versuche, die neu erworbenen Freiheitsrechte einzuschränken, als gegen das Assad-Regime. So gingen etwa Anfang Juli Studierende in Qamishli, im Nordosten Syriens, auf die Straße, um gegen die Festnahme von AktivistInnen durch die kurdischen Sicherheitskräfte zu protestieren, die unter dem Vorwand festgenommen worden waren, mit Drogen gehandelt zu haben. Die Protestierenden argumentieren damit, dass es ihnen nichts bringt, wenn sie das Assad-Regime loswerden, ihre Freiheiten aber sogleich von neuen Autoritäten unterdrückt werden.

Angesichts der Übermacht verschiedener bewaffneter Gruppen, wird es für die zivilen Gruppen immer schwieriger, sich in der syrischen Gesellschaft für Toleranz, Säkularismus und Demokratie einzusetzen. Die AktivistInnen der UFSS wollen sich entsprechend auch nicht die Festnahme der 19 Studierenden gefallen lassen. Sie protestieren öffentlich und diskutieren mit den neuen, bewaffneten Autoritäten darüber, nach welchen Rechtsgrundsätzen das neue Syrien regiert werden soll.

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