Staatliche Strukturen greifen schon lange nicht mehr in Erbin, einem abgeriegelten Vorort von Damaskus. Deshalb haben AktivistInnen sich zusammengeschlossen, um dem Wegbrechen der Strukturen etwas entgegen zu setzen. Daraus ist die Idee entstanden, in Erbin ein Zentrum für die zivile Bevölkerung zu schaffen – einen Ort, an dem sich Gruppen und Initiativen treffen können, um sich auszutauschen, mit anderen Zentren zu vernetzen, um zusammen zu arbeiten.

Aus diesem Wunsch ist Realität geworden. Die AktivistInnen haben ein nicht mehr genutztes Möbelhaus angemietet und die Räume wieder wohnbar gemacht. Eine kleine Bibliothek wurde eingerichtet mit Büchern anderer Bibliotheken, die teilweise zerstört oder aus anderen Gründen geschlossen wurden.

Die Kurse, Trainings und Workshops decken vielfältige Bereiche ab. Dazu gehört das Angebot kultureller Aktivitäten, Arbeit im Bildungsbereich, die Ausbildung und Durchführung journalistischer Aktivitäten und der Pressearbeit, die Beobachtung und Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen und die gesundheitliche Aufklärung sowie, und das vor allem für Kinder, psychologische Unterstützung. Aber auch Gruppen, die einen Besprechungsraum brauchen, finden hier eine Anlaufstelle.

Zum Beispiel treffen sich in dem Zentrum in Erbin 77ApothekerInnen, die über die Beschaffung und den Bestand der verbliebenen Medikamente reden, selbst Medikamente aus natürlichen Stoffen herstellen und in extremen Krisensituationen nach experimentellen Lösungen suchen.

Ein Ort wie dieser ist von unschätzbarem Wert. Denn durch solche Initiativen, die die eigenen lokalen Strukturen der Stadt fördern, werden die zivilgesellschaftlichen Strukturen am Leben erhalten. Das ist wichtig insbesondere in einer Zeit der Belagerung durch das Regime und in einer Zeit, in der nur gegenseitige Hilfe das Überleben der Gesellschaft sichert, die sich gegen radikale Kräfte stellen kann.

Die junge syrische Zivilgesellschaft braucht dringend Verstärkung. Unterstützen Sie mit ihrer Spende die Menschen, die sich im Zentrum für Zivilgesellschaft in Erbin engagieren!

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Das Civil-Society-Center in Erbin hat sich eine Satzung gegeben, die wir ins Deutsche übertragen haben. Solche Strukturen sind wichtig, um die langfristige Arbeit sicherzustellen.

Der Kulturtreff in der Stadt Erbin

Vorwort
Wegen der militärischen Angriffe des Regimes und der von ihm verhängten totalen Belagerung ist die Stadt Erbin mit großen Herausforderungen und Problemen konfrontiert. Die Versorgung mit Nahrung, Medikamenten und Energie ist katastrophal. Dies hat dazu geführt, dass sich die Lage im gesundheitlichen und gesellschaftlichen Bereich wie im Schulsektor dramatisch verschlechtert hat. Aus Verantwortung gegenüber unseren Mitmenschen haben wir daher in Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen dieses Projekt ins Leben gerufen.

Definition:
Der Kulturtreff ist eine lokale, unabhängige, nicht-staatliche juristische Körperschaft, die dem lokalen Organisationskomitee der Stadt Erbin untergliedert ist. Als juristische Körperschaft hat der Kulturftreff das Recht auf Eigentum, kann vor allen anerkannten Gerichten auftreten und an außergerichtlichen Schlichtungsverfahren teilnehmen.
Der Kulturtreff ist ein ziviles Dienstleistungsprojekt, das die Bedingungen für kulturelle, journalistische und Bildungsaktivitäten schaffen will, welche dem öffentlichen Interesse dienen. Der offizielle Standort des Treffs ist die Stadt Erbin. Der Treff ist öffentlich-rechtlich, für die Allgemeinheit offen und bietet seine Dienste kostenfrei an. Der Hauptverantwortliche für das Projekt ist das lokale Organisationskomitee der Stadt Erbin.

Ziele:
Das Projekt zielt darauf ab, das kulturelle und Bildungsniveau möglichst vieler
MitbürgerInnen zu steigern, ebenso das Gesundheitsbewusstsein in der Stadt Erbin. Dies erfolgt u.a. über Seminare, Trainingskurse und Workshops. Ferner sind Fortbildungen im Bereich der modernen Kommunikationsmedien und des Journalismus weitere Ziele des Projekts. Des Weiteren ist das Projekt bestrebt, das Solidaritätsprinzip, den Gemeinschaftssinn und den Sinn für Teilhabe zu stärken getreu dem Motto: der Einzelne im Dienste der Gemeinschaft und die Gemeinschaft im Dienste des Einzelnen.

Aktivitäten:
a. Kulturelle Aktivitäten: Diese drehen sich meist um intellektuelle Themen, die auch das alltägliche Leben der Menschen betreffen. Es werden Vorträge gehalten und Diskussionsrunden geführt, auch über Kunst und Literatur.

b. Im Bildungsbereich: Hier geht es um Erwachsenenbildung, jedoch vor allem darum, Bildungslücken bei SchülerInnen zu schließen. So werden beispielsweise Sprachkurse angeboten: Englisch und Französisch für alle Sprachstufen, Türkisch und Deutsch für Anfänger. Die Kurse sind kostenlos und offen für alle. Ferner sind wir dabei, in Zusammenarbeit mit dem Bildungsbüro der Stadt und mit weiteren Lehrkräften Fachkurse für SchülerInnen anzubieten. Die Kosten hierfür werden vom Kulturtreff übernommen.

c. Journalistische Aktivitäten und Pressearbeit: Der Kulturtreff verfügt über einen Internetzugang und ermöglicht dadurch die Kommunikation mit Einzelpersonen sowie mit lokalen und internationalen Organisationen. Dieser Internetzugang ist im Dienste der Stadt Erbin und allen revolutionären zivilen Komitees zugänglich. Zu den Aufgaben der verantwortlichen Personen gehört z.B., die Neuigkeiten und Ereignisse in der Stadt zu verfolgen, zu veröffentlichen und den Kontakt mit lokalen und internationalen Organisationen aufrechtzuerhalten. So soll die Stimme der traumatisierten Bevölkerung Erbins nach außen getragen werden. Ferner kümmern sich die Verantwortlichen darum, Hilfe und Unterstützung für die Stadt zu organisieren.
Zu den weiteren Aktivitäten des Kulturtreffs gehören auch die Organisation von kostenlosen Trainingskursen für EDV und Internet sowie Fachkurse für Print- und Bildjournalismus. Da in Erbin keine Elektrizitätsversorgung existiert und alle anderen Kommunikationsmittel fehlen, wird der Fokus auf Printjournalismus gerichtet. Dies erfolgt über Broschüren, Flugblätter und eine halbwöchentliche Zeitung.

d. Menschenrechte und rechtliche Aktivitäten: Das Dokumentieren sämtlicher Menschenrechtsverletzungen in der Stadt. Aufklärungskampagnen zu Menschenrechten, auch speziell zu Frauen- und Kinderrechten. Die Dokumentation aller Vorkommnisse im humanitären Bereich durch die Erstellung juristischer Berichte sowie Listen mit Namen der Todesopfer, der Inhaftierten und der Vermissten. Das Dokumentieren von allen materiellen Verlusten und Schäden, die infolge der Bombardierung (durch das Regime) entstanden sind. Es werden materielle Schäden sowohl von Personen als auch von zivilen Einrichtungen dokumentiert.

e. Gesundheitliche Aufklärung und psychlogische Unterstützung: Es wird psychologische und soziale Hilfe für traumatisierte Kinder und Familien geleistet, damit diese mit ihren dramatischen Erlebnissen umgehen können. Dies geschieht beispielsweise über altersgerechte Aktivitäten und Angebote, welche die Lebens- und Überlebensfähigkeit sowie Anpassungsmechanismen fördern und die innere Widerstandskraft steigern. Durch die Zusammenarbeit mit SpezialistInnen und PädagogInnen werden Fortbildungskurse für SchullehrerInnen angeboten, damit jene mit den Kindern in dieser schwierigen Lebenssituation umgehen können. LehrerInnen soll ermöglicht werden, z.B. Verhaltensstörungen und gesundheiltliche Probleme aufzudecken und diesbezüglich SpezialistInnen zu kontaktieren. Um die psychische Verfassung der Kinder zu verbessern, sind Workshops für Malen und handwerklich-künstlerische Aktivitäten geplant. Die Arbeiten der Kinder werden dann in einer Ausstellung zu sehen sein.

f. Verwaltung und Organisatorisches: Der Kulturtreff ist täglich außer Freitag von 9.00 bis 18.00 im Winter und von 9.00 bis 20.00 Uhr im Sommer geöffnet. Er umfasst folgende Räumlichkeiten:

Leseraum mit einer Bibliothek. Die vorhandenen Bücher befassen sich u.a. mit wissenschaftlichen, literarischen und theologischen Themen.
1. Ein Mehrzwecksaal, der für Workshops, Versammlungen, Podiumsdiskussionen und auch als Unterrichtsraum Verwendung findet. Es können auch andere Revolutionskomitees oder zivilgesellschaftliche Organe den Saal für ihre Aktivitäten nutzen. Ein Reservierungsantrag muss im Voraus an die Verwaltung gerichtet werden.
2. Das Büro: Hier sind die Verwaltung und das Informationsbüro untergebracht.
3. Empfangs-Foyer: Hier befindet sich eine Empfangstheke, wo Anträge für die Dokumentation von materiellen und rechtlich-juristischen Belangen entgegengenommen werden.

Der Kulturtreff wird vom Koordinationskomitee der Stadt Erbin verwaltet. Dieses ernennt den/die DirektorIn des Kulturtreffs, seine/n StellvertreterIn und eine/n FinanzverwalterIn. Die Direktion des Kulturtreffs greift auf die Hilfe von ExpertInnen und TrainerInnen in den oben genannten Bereichen zurück.

Helfen Sie mit, solche zivilen Strukturen zu stärken. Nur durch eine starke Zivilgesellschaft kann die syrische Gesellschaft die Gräben und Konflikte überwinden. Unterstützen Sie mit Ihrer Spende die Arbeit des Zentrums für Zivilgesellschaft in Erbin!

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