Kein Einsatz von Hunger als Waffe – nicht nur in Madaya!

Der weltweite Aufschrei über die Tausenden von hungernden Menschen in Madaya hat dazu geführt, dass die UN nun endlich Hilfsgüter in die Stadt nahe der libanesischen Grenze gebracht hat. Es zeigt uns, dass öffentlicher Druck wirkt, um das Assad-Regime zum Einlenken zu bewegen – auch wenn die Hilfsgüter die Stadt viel zu spät erreichten. Doch Madaya ist kein Einzelfall – und Belagerungen in Syrien dürfen nicht wieder in Vergessenheit geraten!

breakthesiegesLängst haben die UN das Mandat, alle Belagerungen mit Hilfslieferungen zu durchbrechen. Einstimmig hat der Sicherheitsrat das Ende der Hungerblockaden gefordert – unter Zustimmung von Russland und China. Doch wie das Beispiel Madaya zeigt, handeln die UN nicht entschieden genug. Helfen Sie mit, fordern Sie die UN auf, Belagerungen in Syrien mit Hilfsgütern zu durchbrechen!

Jetzt UN zum Handeln auffordern!

Hintergründe zu Belagerungen

"Kniet nieder oder hungert" droht das Assad-Regime

„Kniet nieder oder hungert“ droht das Assad-Regime

Die schrecklichen Bilder von hungernden Menschen in Madaya gehen seit Wochen um die Welt. Seit einem halben Jahr sind über 40.000 Menschen in der syrischen Stadt belagert und waren wochenlang vor dem Hungertod bedroht. Dass nun UN-Hilfstransporte in das vom Krieg zerrüttete Land gebracht werden durften, ist im großen Maße auf die Welle internationaler Solidarität mit der belagerten Zivilbevölkerung in der Stadt zurückzuführen!

Das ist ein Hoffnungsschimmer für alle, die sich seit Jahren für die Unterstützung der syrischen AktivistInnen einsetzen. Und es ist ein Anlass sich erneut darüber Gedanken zu machen, wie man den öffentlichen Druck nutzen kann, um den Konflikt in Syrien weiter an der Wurzel zu packen. Denn was die syrischen AktivistInnen in den belagerten Gebieten neben Nahrungsmitteln vor allem brauchen, ist ein Ende der Belagerung ihrer Wohnorte!

Wer sich draußen durch ein paar Lebensmittellieferungen zum Schweigen bringen lässt und glaubt, dass damit unser Problem gelöst sei, liegt falsch.

Dies ist die Meinung des Aktivisten Abou Khalil Buqaini aus Madaya, mit dem Adopt a Revolution über die Lage der Menschen in der Stadt sprach. Er berichtet wie es zur Belagerung kam, vom Hunger und warum Lebensmittellieferungen von der UN eigentlich keine Lösung sind. Und er sagt, welche Form von Solidarität sich die SyrerInnen in der Belagerung außerdem wünschen.

Lesen Sie das Interview mit dem Aktivisten Abou Khalil Buqaini aus Madaya!

Interview aus Madaya

Die Kriegswaffen Assads

Die Kriegswaffen Assads

Leider ist Madaya nicht das einzige Beispiel von Belagerungen in Syrien, bei denen Menschen systematisch ausgehungert werden.

Adopt a Revolution berichtet neben Madaya von zwei weiteren belagerten Orten in Syrien, in denen unsere Projektpartner trotz der lebensbedrohlichen Situation weiter arbeiten und berichten: Moadamieh und Yarmouk bekommen bereits seit Jahren die Kriegswaffe „Belagerung“ durch das Assad-Regime zu spüren. Auch diese Orte brauchen unsere Solidarität!
Lesen Sie den Bericht aus Moadamieh und Yarmouk wie Hungerblockaden als Kriegswaffe wirken.

Bericht aus Moadamieh und Yarmouk

Laut UN sind an 15 unterschiedlichen Orten mindestens 400.000 Menschen von Belagerungen betroffen. Internationale zivilgesellschaftliche Organisationen berichten sogar von über einer Million Menschen in über 50 belagerten Orten. Die meisten und krassesten Belagerungen finden – wie auch im Falle von Madaya – durch das Assad-Regime und die sie unterstützenden bewaffneten Kräfte statt. Doch auch Oppositionelle nutzen diese Kriegsstrategie, um die Zivilbevölkerung zur Aufgabe zu zwingen. Hunger als Waffe einzusetzen, ist ein Kriegsverbrechen. Die Kriegsstrategie wurde bereits vom UN-Sicherheitsrat verurteilt und dennoch haben die Staaten bisher nichts dagegen unternommen, die Belagerungen der Zivilbevölkerung durch bewaffnete Kräfte zu stoppen.

Am Beispiel von Moadamieh werden außerdem weitere Folgen von Hungerblockaden deutlich: Die Menschen werden so lange durch die Belagerung zermürbt, dass sie ihren Widerstand gegen das Assad-Regime und seine Verbündeten aufgeben müssen. Erst am 6. Januar dieses Jahres stimmte die Opposition in Moadamieh einem „lokalen Waffenstillstand“ mit dem Regime zu, um ein Ende der Belagerung herbeizuführen und die 45.0000 Zivilisten nicht dem Hungertod zu überlassen. Wir haben mit einem Aktivisten gesprochen, der an den Verhandlungen teilnahm.

Lesen sie den Bericht des Aktivisten Kinan Rahmani aus Moadamieh.

Bericht aus Moadamieh

Hier finden Sie außerdem unseren

Bericht zur Belagerung von Moadamieh von 2013

Auch das ehemalige palästinensische Flüchtlingslager und Stadtteil von Damaskus, Yarmouk, war in den letzten Jahren aufgrund von Belagerungen immer wieder in den Medien. Vor allem der Einmarsch von ISIS Anfang April 2015 hat viel öffentliche Aufmerksamkeit bekommen.

Adopt a Revolution berichtete
über den Angriff auf Yarmouk

Das Watad Center Yarmouk ist ein Projektpartner von Adopt a Revolution und war eine zivile Größe im palästinensischen Stadtteil Yarmouk. Als Radikalislamisten das Zentrum im April 2015 zerstörten, mussten die AktivistInnen den Ort verlassen. Nun produzieren sie ihre Kurzfilme an einem anderen Ort in Süddamaskus und geben – auch wenn sie an ihren Heimatort zurückkehren möchten – nicht auf: Sie geben wieder in Workshops Wissen weiter und koordinieren solidarische Nachbarschaftshilfe gegen die Not von Krieg, Beschuss und Belagerung.

Mit einer Spende helfen Sie den AktivistInnen ihre Arbeit in der Region weiter fortzuführen:

Jetzt das Watad Center Yarmouk unterstützen!

Der weltweite öffentliche Aufschrei über den Hungertod von Menschen in Madaya hat das Assad-Regime endlich zum Einlenken bewogen. Auch, wenn die humanitäre Hilfe nur ein Teil der internationalen Bemühungen um Lösungen im Syrienkonflikt sein kann, ist sie überlebenswichtig für die syrische Zivilgesellschaft! Laut der diese Woche angelaufenen Kampagne der internationalen Organisation The Syria Campaign versäumen es die UN bindende UN-Resolutionen konseqent zu nutzen, um humanitäre Hilfseinsätze in Syrien durchzuführen.

Mit der Kampagne „break the silence – break the sieges“ fordert The Syria Campaign den UN-Nothilfekoordinator dazu auf, seiner Verpflichtung nachzukommen und Hilfsgüterlieferungen nach Syrien anzuordnen, ohne die Zustimmung des Assad-Regimes abzuwarten.

Hier können Sie den Aufruf von The Syria Campaign unterschreiben!

Kampagne unterschreiben

Die Hintergründe zu den Versäumnissen der UN und zur Petition finden Sie in dem Policy Briefing_“Break the Sieges“ von_The Syria Campaign (deutsch).